»Das gnädige Fräulein kramt drüben und packt ihre Sachen,« sagte Nanni mit erkünsteltem Gleichmute, als Käthe entsetzt emporfuhr und ihre Hände beschwichtigend über die Halberwachte hinstreckte.

Henriettens Salon trennte allerdings die beiden Zimmer, und Flora setzte deshalb jedenfalls voraus, daß man ihr Hantieren im Krankenzimmer nicht hören könne; sonst hätte sie doch sicher das anhaltende Schieben und Umherstoßen der Kisten und Koffer rücksichtsvoller vermieden. Käthe erhob sich, und die nach dem Salon führende Thür hinter sich schließend, ging sie hinüber in das Zimmer, wo gepoltert wurde.

Flora stieß einen leisen Schrei aus — es blieb unentschieden, ob vor Schreck oder im Aerger über die Störung —, als die hohe, weiße Gestalt auf der Schwelle erschien und mit sanft gedämpfter Stimme um Ruhe für die Schlummernde bat.

Die schöne Schwester stand dicht neben dem Ständer, der die Brauttoilette trug. Die weiße Atlasschleppe, von welcher das Kammermädchen die Orangenblütenboukette absteckte, um sie in einen Karton zu legen, hing neben ihrer Schulter nieder, und in den Händen hielt sie den Brautschleier, offenbar in der Absicht, ihn zusammenzufalten. Die zerstückte Hochzeitsfeier konnte allerdings nicht schneidender illustriert werden als durch diese Gruppe.

»Es thut mir leid; ich habe nicht geglaubt, daß das Aufstellen der Kisten bis zu Henriette hinüberschalle — wir werden vorsichtiger sein,« sagte sie kurz, aber doch mit hörbar alterierter Stimme. Ein böses Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. »Du schleichst ja so weiß, so lautlos durch das Haus, daß man denken könnte, die Ahnfrau der Baumgarten habe, weil es in der Stammburg mit dem Wandeln aus und vorbei ist, ihr Domizil in der Villa aufgeschlagen. Unheil genug heftet sich an deine Fersen — wo du eintrittst, sollte ein rechtschaffener Christ drei Kreuze schlagen.«

Sie schickte die Kammerjungfer mittels einer Handbewegung aus dem Zimmer. »Halt!« rief sie, den Brautschleier fortschleudernd, als Käthe dem Mädchen schweigend folgen wollte. »Wenn ein Funken von Frauenehre in dir lebt, so stehst du mir jetzt Rede.«

Käthe streifte gelassen die Hand ab, die ihr Kleid festhielt, und trat in das Zimmer zurück. »Ich stelle mich dir zur Verfügung,« sagte sie ruhig und heftete ihre ernsten Augen fest auf das leidenschaftlich erregte Gesicht der Schwester. »Nur bitte ich dich, nicht so überlaut zu sprechen, damit uns Henriette nicht hört.«

Flora antwortete nicht; sie ergriff Käthes Hand und zog sie in die Nähe des Fensters. »Komm her! Lasse dich einmal ansehen! Ich muß wissen, wie du aussiehst, nachdem du geküßt hast.«

Das junge Mädchen wich zurück vor dem frivol funkelnden Blick, der ihr, im Verein mit der leichtfertigen Bemerkung, die tiefe Glut der beleidigten Scham in das Gesicht trieb. »Als ältere Schwester solltest du doch Anstand nehmen, einen solchen Ton anzuschlagen —«