»Nun?« rief Flora beunruhigt.

»Du hast mein Wort; jetzt bin ich die Marionette, die du an diesem Drahte lenkst,« — sie hob die geschlossene Hand mit dem Goldreif; — »bist du zufrieden?« Damit ging sie.

In dem Moment, wo sie auf die Schwelle der geöffneten Thür trat, kam Doktor Bruck die gegenüberliegende Treppe herauf. Sein Blick überflog die zwei Gestalten, von denen die eine aufrecht, triumphierend inmitten des Zimmers stand und ihn kalt anlächelte, während das fieberglühende Mädchen bei seinem Anblick fast zusammenbrach.

Er eilte bestürzt herbei und legte rückhaltslos den Arm um die Schwankende. Die Thür hinter ihnen fiel zu und in ihr Geknarr mischte sich ein wohlbekanntes, gedämpftes Auflachen.


28.

Nachmittags brach der Sturm los, den die wie die Möwen um das Haus schwirrenden Gerüchte verkündigt hatten — eine Gerichtskommission erschien. Man hatte sich die feierliche Beschlagnahme seit den frühen Morgenstunden vergegenwärtigt und doch ging es wie ein erschütternder Schlag durch das ganze Haus, als die Herren unter das Portal traten. Sie kamen für alle zu früh. Noch schleppten die Bedienten die altmodischen, blinden Mahagonitische und Kommoden der Präsidentin, die Sofas und Stühle mit den verstaubten und zerschlissenen Bezügen vom Dachboden herab in den Hauptkorridor; noch standen Floras Kisten mit dem eingepackten Trousseau droben und harrten auf den säumigen Spediteurwagen; noch lag im kleinen Haus-, Wein- und Bierkeller »Trinkbares«, das man nicht mehr beiseite bringen konnte.

Die Präsidentin hatte sich stolz und vornehm in ihr Schlafzimmer zurückgezogen — sie wollte die Herren nicht sehen, aber so höflich und respektvoll dieselben auch waren, sie durften auf die Nervenzufälle der gnädigen Frau keine Rücksicht nehmen; sie mußten fragen, ob die Zimmereinrichtung ihr eigen sei, und auf das Verneinen der Dame hin bitten, einstweilen in ein leerstehendes, heizbares Entree überzusiedeln, weil das Zimmer versiegelt werden müsse. Nun wurden die alten Möbel aus dem Korridore in das kleine, freundliche Zimmer geschoben, die pensionierten Federbetten gelüftet und bezogen und unter die verschossene, braunseidene Steppdecke gesteckt, die der Präsidentin seit Jahren nicht vor die Augen gekommen war und bei deren Erblicken ein Schauder des Abscheus durch ihre Glieder flog. Die Jungfer richtete das Stübchen so wohnlich wie möglich ein; sie hatte den kleinen Mahagoniblumentisch am Fenster mit einigen aus dem Wintergarten eroberten Blattpflanzen gefüllt und manches aus dem Schlafzimmer herübergerettet, was ihrer verwöhnten Herrin besonders lieb und unentbehrlich war, aber die alte Dame sah die Bemühungen nicht — sie saß am Fenster und stierte nach dem Pavillon hinüber, dessen neuglänzendes Dach hinter der Bocage auftauchte.