Käthe schwieg.
»Sage nur die Wahrheit! Ist es schon mehr als einmal aufgelegt worden?«
»Nun ja.«
Flora warf das Heft auf den Flügel. »Zu solch einem Backfisch mit dem dicken Posaunenengelgesicht und der unverkümmerten Seelenruhe kommt der Ruhm im Schlafe, und andere müssen qualvoll kämpfen um jede Staffel; sie sterben fast im glühenden Ringen und Streben, ehe sie auch nur genannt werden,« stieß sie bitter heraus. Sie schlug die Arme unter und ging auf und ab.
»Nun, was thut's im Grunde?« sagte sie plötzlich stehen bleibend, wie erleichtert. »Die glänzendste Rakete verpufft spurlos droben in der Luft; sie ist dagewesen, während der Feuerkern im Vesuv fort und fort glüht; die Welt weiß um sein Dasein, und wenn er seine Flammen ausstößt, dann jubelt oder zittert das Menschenherz. Ganz gut so, da sind es eben zwei aus der Familie Mangold, die hinaustreten in die Arena. Wir wollen sehen, Käthe, wer von uns beiden die brillanteste Karriere macht.«
»Ich ganz gewiß nicht,« rief Käthe heiter und strich sich ein rebellisches Löckchen aus der Stirn. »Ich werde mich hüten, in die Arena zu gehen. Denke ja nicht, daß ich unempfindlich bin gegen Erfolge! Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, zu sehen, daß man mit seinen Schöpfungen die Herzen anderer rührt und bewegt, und das gäbe ich nicht hin um alle Schätze der Welt. Aber bloß dafür und deshalb zu leben? Nein, ich sehe daheim zu viel Glück, zu viel beseligendes Zusammensein und Zusammenwirken — was hilft mir der Ruhm, wenn er mich einsam läßt?«
»Aha, da haben wir ja die Bescherung, die ganze hausbackene Quintessenz deiner Erziehung! Wie es dieses Fräulein Lukas selbst unablässig erstrebt und schließlich durchgesetzt hat, so wirst du es auch machen — du willst dich verheiraten.« Sie lachte in verletzendem Spott hell und schneidend auf.
Das köstliche Karminrot auf den Wangen des jungen Mädchens breitete sich plötzlich bis an die Haarwurzeln der Stirn; es lief selbst über den schneeweißen runden Hals hinab. »Du lachst und spottest, als sei es dir nie eingefallen, dasselbe zu thun,« sagte sie entrüstet, aber mit unwillkürlich gedämpfter Stimme, »und doch —«
Flora streckte so rasch die Hand aus, als wolle sie die schönen Mädchenlippen zupressen. »Bitte, kein Wort weiter!« rief sie gebieterisch. Sie verschränkte die Arme wieder unter dem Busen und neigte langsam zustimmend den Kopf. »Ja, mein sehr weises Fräulein, ich war allerdings für einen Moment so schwach und verblendet, mir ein Netz überwerfen zu lassen, aber, Gott sei Dank, der Kopf ist wieder draußen; er ist klar und stark genug, sich die Freiheit zurückzuerobern.«
»Und hast du gar kein Gewissen, Flora?«