Jetzt fuhr Flora jäh empor; ihre seidenen Gewänder rauschten und zischelten, und sie war so rot im Gesicht, als breite sich noch einmal das eben versunkene grelle Abendlicht über ihre weißen Wangen. »Gib ihr Morphium!« rief sie herüber. »Das ist schon mehr Verrücktheit als fieberhafte Aufregung; sie muß schlafen.«

Der Doktor hatte der Kranken kaum erst einen Löffel voll Medizin gereicht; er beantwortete Floras Aufforderung nur mit jenem halben, flüchtigen Lächeln, mit welchem man über ein thörichtes Verlangen der Unwissenheit hinweggeht, und veränderte seine Stellung nicht im geringsten; auch die Glut, die bei Henriettens letzten Worten über sein braunes Gesicht hinflammte, erlosch rasch wieder; er sah ruhig und kalt aus wie vorher.

Flora sank zornig in ihren Stuhl zurück, wandte sich ab und ließ ihre Augen funkelnd und rastlos über die Gegend draußen hinschweifen.

»Hättest du damals gedacht, daß sich das ändern würde, Bruck? Daß sie je sagen könnte, es sei ein schwerer Irrtum gewesen?« hob Henriette von neuem an und umklammerte nun auch mit der anderen brennend heißen Hand Käthes Rechte. Dem jungen Mädchen stockte fast der Herzschlag; aus den Lippen der Kranken schwebte es, woran bis jetzt niemand, selbst die Schuldige nicht, mit dem lauten, klaren Wort zu rühren gewagt hatte. Sie bog sich rasch über die Fiebernde und legte ihr instinktmäßig die kühlen Finger auf die Stirn, als könne sie damit den unheilvollen Gedankengang in eine andere Bahn leiten.

»Ah, das kühlt!« seufzte Henriette auf. »Aber weißt du noch, wie Flora damals deine Hand von meiner schmerzenden Stirn stieß? Sie war tödlich eifersüchtig.«

Ein halb unterdrücktes höhnisches Auflachen klang aus der Fensterecke herüber. Henriette hörte es nicht. Sie war der Außenwelt völlig entrückt.

»Mich läßt der Schmerz über das, was kommen wird, nicht schlafen,« klagte sie und schlang jetzt ihre Finger ineinander und drückte sie leidenschaftlich gegen die kranke Brust. »Dann wirst du unser Haus meiden und ein unglücklicher Mann sein, der nicht einmal unseren Namen mehr auf die Lippen nimmt. Ach, Bruck, was fragt sie danach in ihrer bodenlosen Eitelkeit, die sie Ehrgeiz nennt! Sie wird sich losreißen um jeden Preis.«

Käthe hob unwillkürlich die Arme und streckte sie in namenloser Angst über die Kranke hin. Henriette schrie auf. »Nicht die Hand auf den Mund legen, wie der schreckliche Junge im Walde!« stöhnte sie abwehrend.

In diesem Augenblick stand Flora neben der jungen Schwester und schob sie vom Bett weg; in ihren Zügen, in allen Gebärden lag ein wilder Entschluß. »Lasse sie ausreden!« sagte sie gebieterisch.