Nun kamen sie in ein ganz kleines, unscheinbares Häuschen, da brannte auch ein Tannenbäumchen, aber nur ein ganz winziges, mit zwei kleinen Lichtchen und ein paar Aepfeln und Nüssen daran.
Neben dem Baum saß eine junge blasse Frau mit zwei Kinderchen im Arm und am Fenster ein finsterer Mann, der brütete vor sich hin und sah das Weihnachtsbäumchen kaum.
Und das Zwillingspaar trat ein und lächelte dem anderen Pärchen zu:
»Weihnachten ist heute, das Fest der Liebe. Vom Traumhimmel sind wir gesandt, die neue Religion zu verkündigen, das Evangelium der Liebe und Wahrheit.«
Aber die angeredeten Kinderchen wandten sich verschüchtert zur Seite, und der blassen Frau liefen die Thränen über die schmalen Wangen.
»Liebe,« schluchzte sie, »Liebe ist nur vom Uebel, denn sie hängt schwer an Einem, und von Liebe kann man nicht leben.«
»Und Wahrheit?« fragte der Mann mit bitterem Lachen, »wenn man die Wahrheit sagt, wird man mit Hunden gehetzt. Geht weiter, Euer Evangelium ist nicht für Arme.«
Da zogen sie traurig von dannen und irrten in den Straßen umher und wagten nicht mehr in die Häuser einzutreten. Sie kamen an ein großes, großes Haus, das hatte einen Turm, der ragte bis in den Himmel hinein und aus den geöffneten Fenstern drang freundlicher Lichtschein von vielen Lichtern, Orgelklang und Gesang von vielen frommen Stimmen; sie schlüpften hinein und standen in einer Kirche voll frommer Menschen und vor dem Altare stand eine Krippe, darin lag ein kleines Kindlein, nackt, wie sie selber, mit einem goldenen Krönchen auf dem Haupte.
Und sie liefen hin und freuten sich und wandten sich zum Volk und verkündeten mit lauter Stimme das neue Evangelium; denn sie dachten, hier wäre es gut und fromm und hier würden die Menschen auf sie hören.
Kaum aber hatten die von einer neuen Religion vernommen, da erhob sich ein böses Geschrei und wütendes Toben, und an der Spitze der Mann, der an der Krippe des Jesukindes schöne Worte gesprochen hatte, und: