»Schrecken der Hinterlist« ist es betitelt.

Hier die noch lebende, schwer am Licht verbrannte Motte – »Schrecken der Aufklärungssucht«.

Jener Schmetterling, dem eine rauhe Menschenhand den Duft von den zarten Flügeln gewischt, nun kann er nicht mehr fliegen – »Schrecken des Freiheitsdranges«. Ach, und noch so vieles Traurig-Schauderhaft-Schöne! Sehen Sie, die von Ameisen abgenagte Drosselleiche« – die Vögel schütteln sich und machen unangenehme Gesichter – »und der glänzend reine Katzenschädel« – die Vögel nicken befriedigt mit den Köpfen, und der Gelbspecht macht eine Bewegung, als wolle er die leeren Augenhöhlen auspicken – »wirklich eine recht sinnige Zusammenstellung.

Bitte, blicken Sie hierher – lauter Raritäten – da, das so natürliche Loch in der Erde, hier eine kleine Blätterhütte, ein Einsiedler-Heimchen wohnt darin und zirpt bescheiden für sich allein, dort jene sorgfältig getrockneten Heuschreckenleichen, eine Reminiscenz aus dem großen Heuschrecken-Grashüpferkrieg. – Und hier, bitte, sehen Sie einmal durch dies Loch im Tannendickicht – nicht wahr, ein reizendes Panorama: im Hintergrund die Wolken als Schneeberge, davor ein einsamer, schwebender Rabe – großartig, nicht wahr?«

»Aeußerst großartig,« meint der Specht, »aber was stellt es vor?«

»Es ist auch ein Kriegsbild: Eine vergessene Heuschreckenleiche!« (Frei nach Wereschagin.)

Die Vögel sehen sich erstaunt unter einander an, suchen die Leiche und erklären, nun einmal etwas Anderes sehen zu wollen. Das gibt es ja auch in Hülle und Fülle für jede Geschmacksrichtung. Hier, ein Eiffelturm aus Eicheln, ein Eichhörnchen sitzt oben drauf, zeigt auf Kommando sein buschiges Schwänzchen und knackt Nüsse zur allgemeinen Belustigung, dazu marschieren allerliebste kleine Nagetierchen kauend durch die Zuschauermenge und bieten goldgelben Harz-Chewing-Gum als Erfrischung an. Da ist eine Grotte aus kleinen Tropfsteinen und Tannenzapfen, geheimnisvolles Dämmerlicht; einige Glühlichtwürmchen leuchten dazu, auf grauen, trockenen Blättern und Gräsern sind vorgestrige Regentropfen gesammelt, die schimmern wie Wasserfluten, und ein schlankes Grillenfräulein, die Grillenbeine mit Schleiern aus glänzendem, flatterndem Altweibersommer bewickelt, als Fischschwanz, bewegt sich rhythmisch hin und her und fährt mit den langen Vorderbeinen sich graziös über den Kopf, als kämme sie sich.

»Was macht die da drinnen?« fragt der eine Blauvogel neugierig, während der andere starr vor Erstaunen dasteht.

»Ich bin unten Melusine und oben Loreley,« sagt das Grillenfräulein, »denn ich habe einen Fischschwanz und kämme dazu mein goldenes Haar.«

»Ja so,« sagt der Specht.