[Kapitel XII.]

Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777.

Die Operationen in Canada und auf dem Lake Champlain während des Sommers und Herbst 1776 waren von Sir Guy Carleton, dem britischen Gouverneur der Provinz, geleitet worden. Die Generale Burgoyne und Phillips und General Riedesel hatten unter seinem Befehl gestanden. Für den Feldzug von 1777 wurde indessen vom englischen Ministerium ein neues Arrangement getroffen. Carleton behielt die Statthalterschaft und das Kommando über die Truppen in Canada bei, aber die Expedition, welche über die Grenzen der Provinz hinaus gegen die Rebellen in New-York und Neu-England vorgehen sollte, wurde Burgoyne anvertraut.

Generalleutnant John Burgoyne war damals 55 Jahre alt. Lord Macaulay beschreibt ihn als »einen Mann von Verstand, feiner Sitte und Ehre, einen angenehmen dramatischen Schriftsteller, einen Offizier, dessen Mut nie in Frage kam und dessen Brauchbarkeit zu jener Zeit einen grossen Ruf hatte.«

Burgoyne war ein Liebling des britischen Ministeriums. Er stand sich nicht gut mit General Riedesel noch mit seiner Frau. Riedesel wurde sehr gut mit Carleton fertig, hatte aber kein Vertrauen zu Burgoyne, der wahrscheinlich zu sehr ein Mann des Vergnügens und Witzes war, um das Vertrauen des ernst angelegten deutschen Offiziers zu gewinnen. Riedesel beklagt sich, dass er niemals gefragt wurde, und dass Burgoynes Pläne ihm nicht anvertraut würden. Es ist klar, dass auf diese Weise Eifersucht zwischen den englischen und deutschen Truppen entstand, und dass Riedesel fühlte, dass ihm und seiner Truppe Ungerechtigkeit widerfuhr.

Der Operationsplan, dessen Grundzüge von Burgoyne selbst aufgestellt wurden, war sehr einfach. Das Gros der Armee sollte von Canada am Lake Champlain hinauf nach Ticonderoga vorrücken. Wenn dies Fort genommen sein würde, sollte die Armee noch weiter südlich vorgeschoben werden, um sich mit der Armee von Sir William Howe oder einem Teil derselben, von Newyork kommend, zu vereinigen. Ein Korps von leichten Truppen unter Oberst St. Leger sollte in gleicher Höhe mit Burgoyne operieren indem es über Oswego nach dem Mohawk River, und an diesem entlang bis zu seiner Einmündung in den Hudson oberhalb Albany marschieren sollte, dort sollte sich diese Expedition mit der Hauptarmee vereinigen.

Die Braunschweiger unter General Riedesels Befehl zählten am 1. Juni 1777 4301 Offiziere und Mannschaften nach den Rapporten, an Effektivstärke 3958. Das Hessen-Hanauische Regiment war im vorhergehenden Jahre in der Stärke von 668 Mann herübergefahren und war wahrscheinlich nicht unter die Zahl von 600 dienstfähigen Leuten herabgesunken. Somit würde sich die Gesamtstärke der Deutschen in Canada zu Beginn des Feldzuges auf 4558 Mann belaufen, von denen 667 unter dem Befehl von Sir Guy Carleton belassen wurden und 3891 sich der Expedition unter Burgoyne anschlossen. Diese Schätzung schliesst nicht die Hanauischen Jäger ein, da dieselben der St. Leger'schen Expedition zugeteilt wurden. Die Gesamtstärke von Weissen unter Burgoyne war grösser als 8000; von diesen waren ungefähr 250 Provinziale.

Einige 500 Indianer begleiteten die Armee und thaten in erster Zeit gute Dienste als Kundschafter; sie stellten ihren menschlichen Brotherren die Skalpe der amerikanischen Soldaten vor Augen. Der Anblick fand Gefallen in den Augen des fashionablen Herrn, welcher die Armee ihrer Majestät kommandierte. Er erliess einen Befehl, dass Deserteure von seiner eigenen Armee gefangen und ebenfalls skalpiert werden sollten. Man hielt aber dafür, dass die Wilden ihre liebenswürdigen Gebräuche zu weit getrieben hätten, als sie Jane Mc Crea töteten, ein junges Weib, das mit einem Tory von der britischen Armee verlobt war und den geheimen Auftrag gehabt hatte, zwei Deserteure bei sich aufzunehmen und zu beschützen. Burgoyne wagte es indessen nicht, die Mörder hinrichten zu lassen aus Angst »vor dem vollkommenen Abfall der Indianer«.