Bevor die Einrichtung der Eisenbahnen die Reiseroute verändert hatte, war die Hauptstrasse zwischen Canada einerseits und Neu-England und den mehr südlichen Kolonien andererseits die grosse Wasserstrasse, welche, indem man den St. Lawrence-Strom bei Lake St. Pierre verlässt, den Richelieu-Fluss hinaufführt, bei Fort St. John vorbei nach dem Lake Champlain, diesen See hinauf, Crown Point passierend, nach Ticonderoga. Bei Ticonderoga hatte der Reisende oder Eindringling zwischen zwei Wegen zu wählen. Entweder konnte er über die kurze Strecke bis zum Lake George, dann diesen schönen See hinauf bis zu seinem äussersten Ende und von hier nach einem Weg von 12 Meilen nach Fort Edward am Hudson gelangen. Dies war der gewöhnliche und leichtere Weg. Oder man konnte das schmale obere Ende von Lake Champlain hinauf fahren bis in die Gegend des heutigen Whitehall, in dem damaligen Distrikt Skenesborough genannt, hatte dann aber einen längern Landweg nach Fort Edward, bei Fort Anne vorbei, vor sich. Von Fort Edward führte der Weg den Hudson hinunter nach Albany und New-York. Die Hauptrichtung dieser Route geht von Norden nach Süden, und merkwürdig gerade, entsprechend dem natürlichen Charakter der Landschaft. Die ganze Entfernung von Lake St. Pierre bis New-York beträgt ein wenig mehr als 350 Meilen. Whitehall liegt ungefähr in der Mitte und Ticonderoga einige 20 Meilen nördlich von Whitehall.
Kein Punkt zwischen dem St. Lawrence und New-York wurde für militärisch wichtiger erachtet als Fort Ticonderoga. Dies war derartig angelegt, dass es die schmale Strecke zwischen Lake Champlain und Lake George deckte und die Passage nach der Südspitze des ersteren Sees beherrschte. Das Fort war im Jahr 1755 von den Franzosen gebaut worden und Fort Carillon von ihnen genannt worden. Es wurde im folgenden Jahre von Montcalm verstärkt und im Jahre 1758 widerstand es dem Angriff einer englischen Armee von 15000 Mann, der grössten europäischen Armee, die in Amerika unter Waffen gewesen war. General Abercrombie, welcher die englische Armee kommandierte, machte einen derartig fehlerhaften Angriff, dass sein Korps mit grossen Verlusten zurückgeschlagen wurde.
Im Jahre 1759 gaben die Franzosen bei Annäherung von General Amherst das Fort Carillon auf, dessen Werke von diesem erneuert wurden. Nun wurde es während beinahe 16 Jahren von den Briten gehalten, unbelästigt, bis am 16. Mai 1776 die kleine Besatzung überrascht und das Fort genommen wurde, und zwar von einer Abteilung Amerikaner unter Ethan Allan »im Namen des Grossen Jehovah und des kontinentalen Kongresses«. Während den zwei Jahren, welche das Fort in amerikanischen Händen gewesen war, wurden grosse Anstrengungen gemacht, um es zu verstärken, und es wurde sehr reichlich mit Waffen, Munition und Proviant versehen. Auch ein neues Fort wurde auf der Ostseite des Sees auf dem Mount Independence gebaut. Es möchte scheinen, als ob die Amerikaner in der Grösse ihrer Vorbereitungen über das Ziel hinausgeschossen wären. Die Werke, welche eine Länge von 2-1/2 Meilen hatten, waren viel zu gross für die Besatzung. Obendrein konnte das Fort vollkommen von Artillerie auf dem Mount Defiance beherrscht werden; dieser Berg war nicht in die Linien mit eingeschlossen.
Das Ergebnis dieser Fehler war ein sehr trauriges. Am 1. Juli 1777 erschien Burgoynes Heer vor der Festung. Riedesel war mit den Deutschen auf dem östlichen Ufer des Sees und operierte gegen Mount Independence. Ein nur kleines Gefecht fand statt. Der amerikanische Befehlshaber St. Clair trat, als er sich in Gefahr sah, umzingelt zu werden, mit der Besatzung von ungefähr 3300 Mann den Rückzug an und liess die Forts mit mehr als 70 Kanonen, 200 Stück Vieh und einem grossen Magazin von Munition und Proviant in den Händen der britischen Armee. Die Überbleibsel der amerikanischen Flotte, welche in der Richtung auf Whitehall floh, wurde sofort von den Briten verfolgt, die nur etwas aufgehalten wurden durch die Notwendigkeit, eine Brücke zu durchbrechen, welche über den See gebaut worden war. Zwei von den fünf Schiffen wurden genommen, die andern drei von den zurückgehenden Amerikanern verbrannt, die auf diese Weise alles Material verloren, welches sie zu retten sich bemüht hatten.
Das Gros von St. Clairs Korps ging auf der Strasse nach Hubbardton zurück. General Fraser blieb mit zwanzig englischen Kompagnien dicht auf den Fersen, unterstützt von Riedesel mit drei braunschweigischen Bataillonen. Fraser holte die Nachhut der Amerikaner unter Oberst Warner bei Hubbardton am 7. Juli ein, wurde schneidig angegriffen und in der Flanke gefasst. Er wäre geworfen worden, wenn ihm nicht Riedesel zu Hilfe gekommen wäre. Die Amerikaner wurden nun zurückgeworfen. Ihr Verlust ist nicht genau bekannt geworden, aber ungefähr 200 Nachzügler und Verwundete wurden an diesem Tage gefangen genommen. Die Braunschweiger hatten 22 Mann tot oder verwundet, die Briten 155. Dies war das erste Gefecht, welches Riedesel in Amerika mitmachte.
Am 8. Juli wurde ein britisches Regiment aus Fort Anne vertrieben, aber die Amerikaner liessen es wieder im Stich, nachdem sie es zerstört hatten.
Am 22. Juli erliess General von Riedesel einen Befehl gegen das Marodieren und drohte allen Soldaten, die dessen schuldig befunden wurden, in dem ersten Falle mit Prügeln, im zweiten mit vier mal Spiessrutenlaufen. Die Offiziere hätten zu entscheiden, was gesetzliche Beute wäre. Riedesel gab diesen Befehl auf Verlangen Burgoynes, welcher die Tory-Kolonisten der Umgegend ermutigen wollte. Die Gelegenheit, in Amerika zu plündern, war somit für die Braunschweiger beinahe vorüber.
Das Terrain zwischen Lake Champlain und dem Hudson war so rauh, dass Burgoyne einen Monat gebrauchte, um seine Armee die 25 Meilen vorwärts zu bringen, welche zwischen Whitehall und Fort Edward lagen. »Die Schwierigkeit zu marschieren war gross, wurde aber in der besten Stimmung überwunden,« schreibt Burgoyne am 30. Juli 77 an Lord George Germaine. »Das Land ist vollständige Wildnis und beinahe überall hatte der Feind mit grossen Baumstämmen die Wege gesperrt, so dass sie quer und längs mit den Zweigen ineinander herübergefallen waren. Die Truppen mussten nicht nur an vielen Stellen, die man unmöglich umgehen konnte, dieselben hinwegräumen, sondern auch über 40 Brücken bauen und andere wieder herstellen, die eine davon, aus Bauholz bestehend, über einen Morast von 2 Meilen Ausdehnung.« Wir finden einen Brief von Burgoyne an Riedesel vom 18. Juli, in welchem er diesem zuredet, seine Offiziere die Bagage verringern zu lassen. Viele englische Offiziere, sagt Burgoyne, sind auf ein kleines Zelt und einen Reisesack reduziert worden.
Die Armee begegnete nur geringem Widerstand auf ihrem Wege, obschon kein Tag verging, ohne dass geschossen wurde. Die Amerikaner hatten sich auf Saratoga zurückgezogen. Jedoch nicht vor dem 9. August konnte Brigade-General Fraser die Avantgarde bis Fort Miller, 7 Meilen jenseits Fort Edward vorschieben. Oberstlieutenant Baum folgte ihm mit den braunschweigischen Dragonern zu Fuss und leichter Infanterie, einigen canadischen Freiwilligen und 2 kleinen Kanonen. Zuerst hatte Riedesel vorgeschlagen, und Burgoyne hatte es gebilligt, dass Baums Korps eine Expedition in das Connecticut-Thal machen sollte, um Pferde und Zugvieh aufzutreiben. Das herzoglich braunschweigische Dragoner-Regiment wurde auf diese Weise auf Kosten der Amerikaner beritten gemacht, und die britische Armee sollte mit Packpferden versehen werden. Um die drängende Notwendigkeit von Lasttieren zu verstehen, müssen wir bedenken, dass die Armee mit Brot aus englischem Mehl und Fleisch verpflegt wurde, welches in England gesalzen war, und dass diese Vorräte von Lake Champlain oder Lake George nach dem Hudson auf den Rücken von Menschen transportiert werden musste. Indes, der Plan wurde geändert bevor die Kolonne Fort Miller passiert hatte, und anstatt nach Manchester zu marschieren, wurde die Expedition nach Bennington dirigiert, wo man annahm, dass die Amerikaner ein grosses Lager von Vorräten hätten. Riedesel nahm sich die Freiheit, gegen diese Befehlsänderung Einsprache zu erheben, aber Burgoyne hielt aus folgenden Gründen daran fest: Erstens würde es von grösstem Vorteil für die Armee sein, 10 oder 12 Tage lang von den Vorräten zu leben, welche man in Bennington finden würde. Zweitens wollte er (Burgoyne) mit der Haupt-Armee nach Stillwater vorgehen, so dass Arnold nicht im Stande sein würde, ein starkes Detachement abzuschicken, um Baum aufzuhalten. Drittens hatte er erfahren, dass St. Leger Fort Stanwix am oberen Lauf des Mohawk-River belagerte, und dass es wichtig sei, Arnold zu verhindern, ein starkes Korps zu dessen Entsatz zu entsenden. Infolgedessen brach Oberstlieutenant Baum am 11. August 1777 nach Bennington auf mit ungefähr 550 Weissen, von denen 374 Deutsche waren. Ungefähr 150 Indianer schlossen sich der Expedition an. Dies gefiel dem Tory nicht, welcher als Führer diente. Er sagte Burgoyne, dass wenigstens 3000 Mann nötig wären, um des Erfolges gewiss zu sein, aber Burgoyne wollte und konnte auch in der That nicht so viele erübrigen.
Am 12. erbeutete Baum einige Vorräte und Vieh in Cambridge.