Am Morgen des 14. fand er einige Vorräte in Sancoik und machte 5 Gefangene. Er meldete Burgoyne, dass Bennington von 15 oder 1800 Mann besetzt sei, aber dass diese wohl bei seiner Annäherung abziehen würden. Er wollte soweit vorgehen, dass er am andern Morgen in der Frühe den Feind überfallen könnte und wollte nach den eingegangenen Nachrichten die notwendigen Dispositionen treffen. Leute strömten in Menge herbei und verlangten bewaffnet zu werden. Die Indianer konnten nicht mehr im Zaum gehalten werden und zerstörten und nahmen alles was ihnen beliebte. Baum, der nicht englisch sprechen konnte, war offenbar auf die Versicherungen des Tory-Gouverneurs Skene angewiesen, der als eine sehr glaubwürdige Persönlichkeit geschienen haben mochte. Burgoyne scheint nicht ganz die irrigen Ansichten seines Untergebenen geteilt zu haben, denn er antwortete mit dem Befehl, Baum sollte nicht weiter vordringen, wenn er den Feind in zu grosser Stärke vorfinden würde, und sollte den Plan aufgeben, einen riskierten Handstreich zu unternehmen. Später an demselben Tage meldete Baum noch, dass er von einer 700 Mann starken Abteilung Rebellen angegriffen worden sei, die er mit ein paar Kanonenschüssen vertrieben hätte, dass aber 1800 Mann in einem günstig gelegenen, befestigten Lager bei Bennington ständen, und dass er auf Verstärkung warten wollte. Diese Meldung bekam Burgoyne während der Nacht, und um 8 Uhr morgens des 15. marschierte Oberstlieutenant Breymann auf seinen Befehl mit 642 Deutschen zu Baums Unterstützung ab. Breymann brach ohne Zelte, Bagage oder genügende Munition und nur mit 2 kleinen Feldgeschützen auf. Er hatte nur 24 Meilen zu marschieren, doch legte er nur etwas mehr als die Hälfte der Entfernung zurück, bevor ihn die Nacht zum Biwakieren zwang. Es war ein regnerischer Tag und der Weg war schlecht, trotzdem scheint eine solche Langsamkeit einer Abteilung Soldaten in leichter Marschordnung, die zur Unterstützung ihrer Waffenbrüder vorgehen, unglaublich. Ich habe keine vollkommene Beschreibung der Uniform der braunschweigischen Infanterie gefunden. Riedesel hatte einige Änderungen eingeführt, welche der Dienst und das Klima erfordert hatten, aber sie war doch noch viel zu schwer. Ein grosser Teil von Baums Leuten waren Dragoner zu Fuss. Sie waren mit kurzen, dicken Flinten und schweren Säbeln bewaffnet. Man erzählte sich in der Armee, dass ihr Helm und Säbel allein mehr wog als die ganze Ausrüstung eines englischen Soldaten. Ein so ausgerüsteter Mann möchte zu Pferde auf einem ebenen Grunde furchteinflössend sein, aber zu Fuss, im August, auf einem Marsche durch den dichten Wald war er kaum einem amerikanischen Farmer oder Jäger in Hemdsärmeln gewachsen.

Es ist klar, dass sich niemand, auch Baum selbst nicht, des Ernstes der Situation bewusst war. Am Vormittag des 15. schrieb Burgoyne, dass, wenn ein Rückzug nöthig werden sollte, er so angeordnet werden müsse, dass dem Feind keine Gelegenheit zu einem Erfolg gegeben werde, damit die Indianer nicht entmutigt würden. Deshalb musste alles erbeutete Vieh und die erbeuteten Wagen weggeschafft werden, und alles Mehl und Korn, welches man nicht mitnehmen konnte, sollte unbrauchbar gemacht werden. Erst später kam Burgoyne auf den Gedanken, dass man wohl besser Breymann ohne Artillerie vorgeschoben hätte.

Oberstlieutenant Baum brachte den 15. August 1777 damit zu, sich auf einem Berge 4 Meilen nördlich Bennington einzugraben. Ungefähr um 9 Uhr morgens am 16. bemerkte er kleine Abteilungen von Leuten, zum grossen Teil in Hemdsärmeln und mit Vogelflinten auf der Schulter, schnell und geräuschlos hinter seinem verschanzten Lager vorbeipassieren. Der gute Offizier hielt diese Leute in Hemdsärmeln für Tories, welche seinen Schutz suchen wollten. Man sagt, dass viele Leute in jenem Teile des Landes dem Könige den Eid geleistet hätten. Im Laufe des Morgens wurde ein Angriff gemacht, aber mit Leichtigkeit abgeschlagen. Schliesslich um 3 Uhr nachmittags wurden die Deutschen vollständig umzingelt, und der Kampf begann mit ziemlichem Ernst. Die meisten Indianer, Canadier und Tories machten sich aus dem Staube. Die Braunschweiger hielten 1 oder 2 Stunden aus, bis ihre Munition anfing auszugehen. Die Amerikaner fochten mit Verzweiflung. Sie näherten sich bis auf 8 Schritt den Kanonen, die mit Kartätschen geladen waren und feuerten ihre Gewehre auf die Kanoniere ab. Stark, der sie kommandierte, hatte sie durch seinen Mut angefeuert. »Kommt nur, meine Jungens,« soll er vor dem Gefecht gesagt haben, wie berichtet wird, »entweder schlagen wir die Briten oder Molly Stark wird diese Nacht Witwe sein.« Schliesslich schlief das Feuer der Deutschen ein. Die Yankees stürmten noch einmal die Schanzgräben. Es ging Gewehrkolben gegen Säbel. Baum wurde tötlich verwundet und die Braunschweiger gefangen genommen.

Das Gefecht mit Baums Truppen-Abteilung war vorüber, als Breymann in der Nähe des Gefechtsfeldes anlangte. Er giebt an, dass er die Amerikaner vor sich her getrieben und nur die Verfolgung abgebrochen hätte aus Mangel an Pulver und Blei; aber sicher ist, dass er sofort zurückging und in der Nacht sich ohne seine Kanonen auf und davon machte, mit einem Verlust von mehr als einem Drittel seiner Leute. General Burgoyne, der in der Frühe des 17. Nachricht von dieser unglücklichen Affaire erhielt, brach um 6 Uhr mit der ganzen Armee auf, um Breymann zu retten. Das Gros ging indessen nicht weiter als Battenkill vor, während Burgoyne selbst an der Spitze eines englischen Regiments soweit vordrang, bis er die auf dem Rückzug befindlichen Deutschen traf.

Beinahe 780 Gefangene, von denen ungefähr 400 Deutsche waren, fielen in die Hände der Amerikaner. Von Baums Korps kehrten 365 Deutsche nicht wieder zurück: Breymanns Korps hatte 231 Tote, Verwundete und Vermisste.

Dies Gefecht war der Anfang von Burgoynes Ende. Es bewies ihm die Unmöglichkeit auf Kosten des Landes zu leben und verwies ihn wieder auf sein englisches Ochsenfleisch und Mehl und auf seine Abhängigkeit von den Vorräten, die er mitzuführen im Stande war.

Das Fehlschlagen der Expedition St. Legers am Mohawk ereignete sich ungefähr zu derselben Zeit. Oberst St. Leger hatte Montreal Anfang Juli mit ungefähr 750 Weissen und 1000 Indianern verlassen. Unter den ersteren befand sich eine Jäger-Kompagnie von Hessen-Hanau. Dieses Korps nahm seinen Weg am St. Lawrence und Lake Ontario entlang nach Oswego und von da am Oneida Lake nach Fort Stanwix am Oberlauf des Mohawk-River. Dies Fort war ein gut konstruiertes Erdwerk mit einer Besatzung von einigen 6 oder 700 Milizen unter Oberst Gansevoort. St. Leger sollte dies Fort nehmen und dann dem Lauf des Mohawk bis zu seiner Vereinigung mit dem Hudson folgen und auf diese Weise die Flanke von Gates Armee bedrohen. Aber das Fort wollte nicht genommen sein. Ungefähr 800 Bewohner des Mohawk-Thales, meist von deutscher Abstammung, unter General Herkimer, waren im Begriff, zu seinem Entsatz vorzugehen. Diese wurden am 6. August 1777 im Walde von einer Übermacht von Provinzialen und Indianern überfallen. Nach der ersten Panik fand ein verzweifelter Kampf statt. Die Milizen wussten wohl, dass sie von ihren wilden Gegnern keinen Pardon erwarten durften. Es schien ihnen besser unter ihren Pfeilen oder dem Tomohawk zu fallen als dem qualvollen Messer ausgeliefert zu werden. Herkimer, der am Bein verwundet worden war, war gegen einen Baumstumpf gelehnt und leitete die Verteidigung, während er ruhig seine Pfeife weiter rauchte. Die Leute hatten paarweise sich hinter Bäumen postiert, sodass immer einer schoss, während der andere lud. Diese Anordnung wirkte günstig, und die Miliz begann die Oberhand zu gewinnen. Darauf kam noch ein Haufe von Tories aus dem Thale den Indianern zu Hilfe. Dies steigerte noch mehr die Wut der Amerikaner, denn diese neuen Feinde waren ihre Nachbarn und waren ihre Freunde gewesen. Der verzweifelte Kampf wurde fortgesetzt. Er hatte schon länger als ein und eine halbe Stunde gedauert, und 160 Milizen waren bereits tot, verwundet oder gefangen, als plötzlich in der Richtung von Fort Stanwix her Feuer gehört wurde. Oberst Gansevoort, der von Herkimers Annäherung unterrichtet war, hatte 250 Mann von dem Fort entsendet, um eine Diversion auszuführen. Diese fielen in das englische Lager ein und plünderten einen Teil davon. 5 Flaggen und viele Bagage fiel in die Hände der Abteilung von dem Fort. Durch den Kanonendonner in ihrem Rücken fürchteten die Tories und Indianer zwischen zwei Feuer genommen zu werden. Sie zogen sich zurück unter Mitnahme von einigen Gefangenen, die den Schrecknissen der indianischen Folterqualen entgegengingen, doch liessen sie viele Tote auf dem Gefechtsfelde. Was von den Milizen übrig blieb, zog sich nach Fort Schuyler zurück, da wo jetzt die Stadt Utica steht. Diese blutige Affaire ist das Gefecht von Oriskany genannt worden. Sie besiegelte das Schicksal von St. Legers Expedition und trug in Gemeinschaft mit Bennington dazu bei, das Schicksal von Burgoyne und der Braunschweiger zu entscheiden. Diese zwei kleinen Begebenheiten bilden einen Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte.

Der tapfere Herkimer erlag seinen Wunden zehn Tage nach dem Gefecht. Aber nach kaum einer Woche hob Benedict Arnold mit einer kleinen Truppenabteilung und den wieder gesammelten Milizen des Thales die Belagerung von Fort Stanwix auf, und St. Leger, den viele von den Indianern verliessen, zog sich mit den Überbleibseln seines Korps nach Oswego zurück, indem er seine Zelte und eine beträchtliche Bagage im Stich liess.

Burgoyne war durch die Niederlage von Baum und St. Leger etwas niedergeschlagen, aber er setzte seine Hoffnung auf Hilfe von Süden her und fühlte sich durch die Befehle, die er von England bekommen hatte, gebunden.