Am 6. Oktober wurden die Forts Clinton und Montgomery von Sir Henry Clinton gestürmt. Ein Anspachisches Regiment, ein Hessisches und 2 Kompagnien hessischer Jäger, welche letztere erst vor kurzem von Europa angekommen waren, hatten an dieser Waffenthat teil genommen. Der Hudson stand nun den Briten vollkommen offen. Dies würde der richtige Moment gewesen sein, um zu Burgoynes Unterstützung einen Vorstoss zu machen, aber Sir William Howe hatte den grösseren Teil seiner Armee nach Philadelphia dirigiert und nur ein kleines Korps unter General Vaughan kam sengend und plündernd den Hudson hinauf.
Burgoynes Situation wurde mit jedem Tage kritischer. Am 4. Oktober wurde die Ration der Soldaten um 1/3 heruntergesetzt. Desertionen waren häufiger vorgekommen trotz strenger Strafe; selbst die Todesstrafe verhinderte sie nicht. Kleinere Scharmützel kamen häufiger vor. Das Wetter war furchtbar heiss und die Armee verging vor Unthätigkeit.
An dem Tage, an welchem die Leute auf kleinere Ration gesetzt worden waren, berief General Burgoyne einen Kriegsrat. Die Generale Phillips, Riedesel und Fraser waren zugegen. Burgoyne schlug ihnen vor, die Gegend am Fluss zu verlassen und zu versuchen, die amerikanische linke Flanke zu umgehen. 800 Mann sollten zum Schutz der Boote und Vorräte zurückgelassen werden. Der Rest der Armee sollte sich an der Unternehmung beteiligen. Man entgegnete aber, dass die Strassen und Stellungen der Amerikaner nicht bekannt wären, dass drei oder vier Tage nötig sein würden, um die amerikanische Flanke zu umgehen, und dass während dieser ganzen Zeit die Vorräte unter einer schwachen Bedeckung zurückgelassen werden müssten. Man kam zu keinem bestimmten Entschluss am 4., es wurde daher für den Abend des 5. ein zweiter Kriegsrat befohlen. In diesem erklärte Riedesel, dass die Lage der Armee von einer Beschaffenheit wäre, dass, wenn sie nicht in einem Tage den Feind erreichen, ihn angreifen und die Sache zur Entscheidung bringen könnte, es dienlicher wäre, sich wieder über den Hudson hinter den Battenkill zurückzuziehen, um dort die Annäherung Clintons zu erwarten. Dort könnte die Armee nicht von Fort George abgeschnitten werden. Fraser stimmte Riedesel bei. Phillips wollte keine bestimmte Meinung aussprechen, und Burgoyne dem es zu hart ankam, eine rückwärtige Bewegung zu machen, erklärte, er wollte am 7. eine Rekognoszierung vornehmen, und, wenn sich bei dieser zeigte, dass der Feind nicht mit Erfolg angegriffen werden könnte, den Rückzug antreten.
Am 6. Oktober 1777 wurde für 4 Tage Verpflegung ausgegeben, und am 7. um 10 Uhr morgens rückten 1500 Mann, unter denen 500 Deutsche waren, mit 8 Bronze-Kanonen und 2 Haubitzen zur Rekognoszierung aus dem Lager. Die vier Generale beteiligten sich daran, die Expedition war aus allen Teilen der Armee zusammengesetzt. Sie gingen bis auf eine Anhöhe ungefähr 3/4 Meilen von dem amerikanischen linken Flügel entfernt vor — nach Riedesel eine sehr schlechte Stellung, wo man nichts vom Feinde sehen konnte. Brigade-General Fraser kommandierte den rechten Flügel, die deutschen Detachements waren im Zentrum, Major Ackland mit den englischen Grenadieren auf dem linken Flügel. Es wurde beschlossen, den Angriff abzuwarten, und Brigade-General Fraser unternahm es, die Fourage von zwei Scheunen wegtransportieren zu lassen. Kleine feindliche Detachements erschienen von Zeit zu Zeit, und man ergötzte sich daran, Kanonen auf sie abzufeuern, bis plötzlich ein heftiges Musketenfeuer auf dem linken Flügel gehört wurde, und unmittelbar darauf Acklands Grenadiere zurückgelaufen kamen, indem sie ihren Führer verwundet zurückliessen.
Der deutsche linke Flügel wurde auf diese Weise entblöst und in Unordnung zurückgeworfen, die hessischen Kanonen in Gefahr gebracht. Diese blieben noch einige Zeit in Thätigkeit, wurden aber schliesslich genommen. Der britische rechte Flügel scheint länger als der linke und der übrige Teil der Linie ausgehalten zu haben, aber nach einiger Zeit wurde General Fraser tötlich verwundet und seine Leute zurückgedrängt, hielt sich jedoch in besserer Ordnung als der linke Flügel. Auch die Deutschen gingen in ziemlicher Auflösung zurück unter Zurücklassung aller zur Rekognoszierung mitgenommenen Kanonen.
Die zurückgehenden Abteilungen warfen sich in eine Redoute und behaupteten ihre Stellungen bis zum Ende des Nachmittags trotz der wiederholten und verzweifelten Angriffe der Amerikaner.
Oberstlieutenant Breymann hielt sich in einer kleinen Redoute auf dem äussersten rechten Flügel der diesseitigen Stellung. Sein Korps war durch die bei Bennington und am 19. September erlittenen Verluste auf ungefähr 500 Mann zusammengeschmolzen; 300 von diesen hatten an der Rekognoszierung teilgenommen und waren nun mit den übrigen in die grosse Redoute auf dem rechten Flügel zurückgeworfen. Der Teil der britischen Linie, welcher Breymanns Redoute mit der Hauptstellung verband, war frei von Besatzung. Die Amerikaner nahmen ihren Weg durch diese Lücke in der Linie, Breymann und seine 200 Mann wurden in Rücken und Flanke angegriffen, der Oberstlieutenant totgeschossen und die Leute entweder durch die Flucht gerettet oder gefangen genommen.
Als die Nachricht hiervon zum Hauptkorps drang, murrten einige Engländer über die Haltung ihrer deutschen Bundesgenossen. Aufgebracht hierüber, sammelte Oberstlieutenant von Specht 4 Offiziere und ungefähr 50 Mann um sich, brach mit diesen auf durch den dunkeln Wald, um Breymanns Redoute wiederzunehmen. Er verlor den Weg und wurde durch einen verräterischen Führer in die Hände der Amerikaner geliefert.
Die Amerikaner fochten an diesem Tage mit grosser Tapferkeit und hatten den Vorteil der Überlegenheit an Zahl, aber waren ohne einen hinlänglichen Führer. Weder Gates noch Lincoln erschienen auf dem Felde. Benedict Arnold, welcher kein besonderes Kommando hatte, focht mit seinem gewöhnlichen, keine Gefahr achtenden Mut, aber er hatte nicht das Talent eines Strategen. Er wurde bei der Einnahme von Breymanns Redoute schwer verwundet; es wäre ein Glück für ihn gewesen, wenn seine Wunde tötlich gewesen wäre.
Es blieb Burgoynes Armee nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen. Einige Eile würde vielleicht ihr Entkommen gesichert haben, aber überall war Unordnung und Langsamkeit. Früh am Morgen des 8. Oktober 1777 wurden die Briten und Deutschen auf den Höhen, von denen man den Hudson übersieht, gesammelt. Hier wurde am Abend desselben Tages General Fraser beerdigt, an einer Stelle, welche er sich selbst als Ruheort ausgewählt hatte. Er war schwer verwundet in das Haus, welches Baronin Riedesel inne hatte, gebracht; er hatte mit ihrem Gemahl zusammen am siebenjährigen Kriege teilgenommen. Die Baronin hatte die Absicht, am 7. ein kleines Diner zu geben. »Der General Fraser,« sagt sie, »und ich glaube, auch die Generale Burgoyne und Phillips sollten denselben Tag bei mir zu Mittag essen. Ich sah viel Bewegung unter den Truppen. Mein Mann sagte mir, es sollte eine Rekognoszierung gemacht werden, welches mir nicht auffiel, weil dieses öfters geschehen. Auf meinem Rückweg nach Hause begegneten mir viele Wilde in ihrer Kriegskleidung und mit Flinten. Auf meine Frage, wo sie hingingen, riefen sie mir zu: »War! War!« das hiess, dass sie zur Schlacht gingen, welches mich ganz zu Boden schlug, und kaum war ich zurückgekommen, so hörte ich auch plänkeln, und nach und nach immer stärker feuern, bis endlich das Lärmen gar arg wurde. Es war eine erschreckliche Kanonade, und ich war mehr tot als lebendig. Gegen 3 Uhr nachmittags, anstatt dass meine Gäste hätten sollen zu mir zum Essen kommen, brachte man mir auf einer Trage den armen General Fraser, einen der erwarteten Mittagsgäste, tötlich verwundet. Unser Esstisch, der schon gedeckt war, wurde weggenommen, und man setzte an dessen Stelle ein Bett für den General. Ich sass in einer Ecke der Stube, zitternd und bebend. Der Lärm wurde immer stärker. Der Gedanke, dass man mir meinen Mann so bringen könnte, war mir entsetzlich und quälte mich unaufhörlich. Der General sagte dem Wundarzt: »Verschweigen Sie mir nichts! Muss ich sterben?...« Ich hörte ihn oft seufzend ausrufen: »Oh bad ambition! poor General Burgoyne! poor Mistress Fraser!««