Ein anderer Kriegsrat wurde unter Hinzuziehung von zwei Brigade-Generälen am folgenden Nachmittag gehalten. General Riedesel bestand auf seinem Plan vom Tage vorher »sehr emphatisch und mit eindringlichen Worten«, und man stimmte dem Plan bei. Aber es war vergessen worden, Verpflegung an die Truppen auszugeben, und so wurde der Abmarsch auf abends spät verschoben. Um 10 Uhr liess Riedesel Burgoyne sagen, dass alles zum Abmarsch bereit sei, aber er erhielt zur Antwort, dass es bereits zu spät sei, um noch irgend etwas zu unternehmen. So wurde die letzte Chance preisgegeben, denn am andern Morgen war die Armee vollkommen umzingelt.
Am 13. Oktober wurde ein dritter Kriegsrat, dem auch die Regiments-Kommandeure beiwohnten, zusammenberufen. General Burgoyne setzte die Hoffnungslosigkeit der Situation auseinander. Nur noch für fünf Tage wären Vorräte vorhanden. Das ganze britische Lager könnte von den feindlichen Kartätschen und Flintenkugeln erreicht werden. Gates Armee hätte hinter einem morastigen Hohlweg Stellung genommen, und zwar so, dass, wenn Burgoyne angreifen wollte, er sich so weit vom Hudson entfernen müsste, dass die Amerikaner den Fluss überschreiten und ihn im Rücken angreifen würden. Selbst wenn man den Feind erfolgreich angegriffen und durchbrochen haben würde, so wären doch nicht Lebensmittel genug vorhanden, um nach Fort George zu gelangen. Die Stellung, welche die Armee nunmehr einnähme, wäre im Zentrum und auf dem rechten Flügel unhaltbar. (Dies war die Terrainstrecke, welche hauptsächlich von den Deutschen besetzt war.)
Burgoyne erklärte, dass niemand anders als er selbst für die Lage, in der sich die Armee gegenwärtig befände, verantwortlich gemacht werden könnte, da er niemand um Rat gefragt, sondern nur Befolgung seiner Befehle gefordert habe. Riedesel dankte Burgoyne für diese Erklärung, da hierdurch jedermann überführt würde, dass er keinen Anteil an der Leitung der von der Armee ausgeführten Bewegungen gehabt hätte, und bat daher alle englischen Offiziere, ihm dieses zu bezeugen, wenn er jemals zur Verantwortung gezogen werden sollte.
Hierauf legte Burgoyne dem Kriegsrat folgende Fragen vor:
1. Ob in der Kriegsgeschichte Beispiele wären, dass eine Armee in dieser Lage kapituliert hätte.
2. Ob in einer solchen Lage eine Kapitulation entehrend sei.
3. Ob die Armee wirklich in der Lage sei, kapitulieren zu müssen.
Auf die erste Frage antworteten alle, dass die Lage der sächsischen Armee bei Pirna, des Generals Fink bei Maxen und des Prinzen Moritz von Sachsen nicht so schlimm und hülflos gewesen wäre, als die, worin sich gegenwärtig die Armee befände; und dass niemand die Generäle hätte tadeln können, die, um ihre Armeen zu retten, in solcher Lage kapituliert hätten; ausser, dass der König von Preussen den General v. Fink, jedoch hauptsächlich aus persönlicher Ungnade, kassiert hätte.
Auf die zweite Frage antworteten alle, dass aus den eben angeführten Gründen die Kapitulation nicht entehrend sein könne. Und auf die dritte Frage stimmten alle darin überein, dass, wenn der General Burgoyne die Möglichkeit sähe, den Feind anzugreifen, sie bereit wären, ihr Blut und Leben aufzuopfern; wenn dies aber nicht thunlich sei, so hielten sie es für besser, durch eine ehrenvolle Kapitulation dem Könige die Truppen zu retten, als durch ein noch längeres »Anstehen« Gefahr zu laufen, wenn alle Lebensmittel aufgezehrt wären, sich auf Diskretion ergeben zu müssen; oder aber, bei einem Angriff in dieser fehlerhaften Position gesprengt und dann einzeln aufgerieben zu werden.
Nach dieser Erklärung setzte General Burgoyne den Entwurf zu einer Kapitulation auf, welcher vorteilhaft schien und daher einmütig gebilligt wurde. Hierauf wurde ein Tambour ins feindliche Lager geschickt um anzuzeigen, dass man am andern Tag einen Stabsoffizier hinüberschicken wolle, um mit General Gates Sachen von Wichtigkeit zu verhandeln, und während dieser Zeit um Waffenstillstand zu bitten. Dies wurde von General Gates bewilligt.