Am 14. vormittags 10 Uhr wurde der Major Kingston in das amerikanische Lager hinübergeschickt, um die Vorschläge Burgoynes zu überbringen, welche in der Hauptsache darin bestanden, dass seine Armee sich zu Kriegsgefangenen, jedoch nur unter der Bedingung ergeben wolle, dass sie nach Boston geführt und von da nach England eingeschifft werden sollte, nachdem sie sich verpflichtet haben würde, in diesem Kriege, oder bis zu ihrer Auswechselung, nicht gegen die Amerikaner zu dienen.
General Gates nahm aber diese Vorschläge nicht an, sondern setzte einen andern Kapitulations-Entwurf in 6 Artikeln auf, welcher besagte, dass, »da General Burgoynes Armee durch wiederholte Niederlagen, Desertion, Krankheit etc. zusammengeschmolzen sei, die Vorräte erschöpft, die Dienstpferde, Bagage, Zelte genommen oder zerstört seien, ihre Rückzugslinien verlegt und ihr Lager umgezingelt sei, sie sich kriegsgefangen ergeben sollte.«
Der sechste Artikel besagte, dass »sobald dieser Vertrag gebilligt und unterzeichnet sei, die Truppen unter dem Befehl Seiner Exzellenz des Generals von Burgoyne in den Retranchements, in denen sie jetzt stünden, das Gewehr strecken und sodann nach dem Orte ihrer weiteren Bestimmung marschieren sollten.«
General Burgoyne liess den Kriegsrat zusammenrufen und las diese Propositionen des General Gates vor. Die Offiziere erklärten alle einmütig, dass sie lieber Hungers sterben, als solche entehrenden Artikel eingehen wollten. Major Kingston wurde wieder zu General Gates zurückgeschickt, um ihm sagen zu lassen, dass, wenn er nicht von dem 6. Artikel ablassen würde, die Verhandlungen sofort abgebrochen würden; die Armee würde eher wie ein Mann einen Verzweiflungs-Coup ausführen, als sich diesem Artikel unterwerfen. Der Waffenstillstand wurde hierauf aufgehoben.
Zu aller Erstaunen langten am folgenden Morgen (15. Oktober 1777) neue Vorschläge von General Gates an, worin er alle von Burgoyne vorgeschlagenen Artikel der Hauptsache nach billigte; es wurde nur noch ausgemacht, dass die Armee schon an demselben Tage nachmittags um 2 Uhr aus ihrer Position abmarschieren sollte.
Diese plötzliche Veränderung erregte bei den englischen und deutschen Offizieren Misstrauen. Der Kriegsrat beschloss, Gates Vorschläge anzunehmen, wollte aber versuchen Zeit zu gewinnen. Eine Kommission, bestehend aus zwei Stabsoffizieren von jeder Seite, wurde ernannt, und diese verhandelte über verschiedene Kleinigkeiten, die den Artikeln noch hinzuzufügen waren, bis 11 Uhr nachts. Die Amerikaner bewilligten alles, was man von ihnen verlangte. Die Engländer ihrerseits versprachen, dass am andern Morgen die Kapitulation von General Burgoyne unterzeichnet und General Gates übersandt werden würde. Der Waffenstillstand sollte fortdauern.
Dieselbe Nacht kam ein Überläufer und sagte aus, dass er durch dritte Hand erfahren habe, der englische General Clinton habe nicht allein die Verschanzung von den Highlands erobert, sondern sei auch schon vor 8 Tagen bis nach Esopus vorgerückt und müsse aller Wahrscheinlichkeit nach schon in Albany angekommen sein. Burgoyne sowohl, wie verschiedene andere Offiziere wurden durch diese Nachricht so begeistert, dass sie grosse Lust bekamen, die Kapitulation zu brechen. Es wurde noch einmal ein Kriegsrat zusammenberufen, welcher folgende Fragen beantworten sollte:
»1. Ob ein Traktat, der von bevollmächtigten Kommissarien finaliter arrangieret sei, noch nach dem Versprechen des Generals, solchen, sobald die Kommissarien alles applanieret, zu unterzeichnen, mit Ehren gebrochen werden könne?
2. Ob die eingegangenen Nachrichten so hinlänglich sicher wären, dass sie ein Bewegungsgrund sein könnten, einen in unserer Lage so vorteilhaften Akkord zu brechen?
3. Ob die Armee wohl noch munteren Geist genug hätte, ihre jetzige Stellung bis auf den letzten Mann zu verteidigen?«