An diesem Tage wurde unter die Offiziere, welche bis dahin nur gesalzen Fleisch bekommen, das die Wunden der Blessierten sehr verschlimmerte, viel frisches Fleisch verteilet. Die gute Frau, welche uns immer Wasser geholt, machte eine treffliche Suppe davon. Ich hatte allen Appetit verloren und die ganze Zeit nichts zu mir genommen als eine in Wein getunkte Brotrinde. Die blessierten Offiziere, meine Unglücksgefährten, schnitten das beste Stück Rindfleisch ab und präsentierten es mir mit einem Teller Suppe. Ich sagte ihnen, ich wäre nicht vermögend etwas zu essen; da sie aber sahen, wie nötig es für mich war, etwas Nahrung zu mir zu nehmen, so erklärten sie, dass sie selbst nicht einen Bissen anrühren würden, bis ich ihnen das Vergnügen gemacht hätte, davon zu nehmen. Ich konnte ihren freundschaftlichen Bitten nicht länger widerstehen, worauf sie mir versicherten, dass es sie sehr glücklich mache, mir das erste Gute, was sie gehabt, anbieten zu können.

Den 17. Oktober wurde die Kapitulation vollzogen, Die Generale verfügten sich zum amerikanischen General en chef Gates, und die Truppen streckten das Gewehr und ergaben sich zu Kriegsgefangenen. Nun bekam die gute Frau, welche uns mit Gefahr ihres Lebens Wasser geholt, den Lohn ihrer Dienste. Jeder warf ihr ganze Hände voll Geld in ihre Schürze, und sie bekam zusammen über 20 Guineen. In solchen Augenblicken scheint das Herz für Gefühle der Dankbarkeit empfänglich zu sein.«


[Kapitel XV.]

Die Braunschweiger in Gefangenschaft.

Die Bedingungen, unter welchen sich Burgoynes Armee bei Saratoga ergab, wurden niemals erfüllt. Die Soldaten wurden im Wesentlichen als Kriegsgefangene behandelt. Dieses führte zu heftigen Klagen ihrerseits sowohl zu jener Zeit, wie von Seiten deutscher und englischer Geschichtsschreiber bis auf den heutigen Tag. Es wird von Bankroft berichtet, dass bei der Übergabe die Konvention von den Briten dadurch gebrochen worden sei, dass die Kriegskasse und anderes Staatseigentum verheimlicht worden sei, um welches die Vereinigten Staaten auf diese Weise betrogen wurden. Im November 1777 schrieb Burgoyne eine unüberlegte und grundlose Klage gegen die Verletzungen durch die Amerikaner und folgerte daraus, dass er den angeblichen Bruch benutzen könnte, sich und seine Regierung von allen Verpflichtungen zu entbinden. Burgoyne verweigerte auch, die notwendigen Listen aller in die Übergabe einbegriffenen Personen herauszugeben. Der Kongress weigerte sich daraufhin, seine Armee eher einzuschiffen als bis die Kapitulation durch die Regierung von Grossbritannien bestätigt wäre.

Es scheint mir, dass in der Behandlung dieser Angelegenheit der Kongress seine Ehre und die des Landes nicht richtig wahrte. Es war richtig, dass Gates einen schlechten Handel gemacht hatte. Aber dieser Handel war mit Bewusstsein gemacht worden und Burgoynes Soldaten hatten dadurch, dass sie die Waffen streckten, die wichtigsten der ihnen auferlegten Bedingungen erfüllt. Es lag nunmehr den Amerikanern ob, auch ihrerseits dem Vertrage nachzukommen, und schlimmstenfalls eine offenbare Verletzung der untergeordneten Artikel der Kapitulation oder der sehr deutliche Beweis der Absicht auf englischer Seite, das Wort zu brechen, hätte den siegreichen Teil veranlasst haben sollen, die Erfüllung seiner Versprechungen zurückziehen.

Während der Kongress gesonnen war, die deutschen Gefangenen in Amerika zu behalten, beeilte sich ihr eigener Fürst keineswegs, sie wieder nach Europa zurückzuerlangen. Auf die Nachricht der Kapitulation von Saratoga schrieb der Minister des Herzogs von Braunschweig an den englischen Kommissionär, dass man den Leuten, die sich ergeben hätten, die Rückkehr nach Deutschland verwehren sollte, damit sie nicht noch andere von der Einreihung in die Armee abschreckten. »Schickt die Übriggebliebenen auf eine Eurer Inseln in Amerika, steckt sie in Europa auf einer von Euren Inseln, wie z. B. auf der Insel Wight fest.« Auf keinen Fall durften die armen Teufel nach Hause kommen.

Am 17. Oktober 1777 streckten General Burgoynes Soldaten die Waffen in Saratoga. Dies durften sie ohne Beisein irgend einer amerikanischen Truppenabteilung thun. General Riedesel hatte Befehl gegeben, dass die Fahnen der braunschweigischen Regimenter nicht überliefert werden sollten. Er liess die Fahnenstangen verbrennen und verbarg die Fahnentücher, indem er den Amerikanern gegenüber vorgab, dass die letzteren auch verbrannt wären. Er verbarg sie, bis die Gefangenen einige Zeit in Cambridge verweilt hatten und er die Baronin in das Geheimnis eingeweiht hatte. Frau von Riedesel nähte sie mit Hilfe eines »recht ehrlichen Schneiders« in eine Matratze ein, und es wurde unter irgend einem Vorwand ein Offizier durch die Linie nach New-York gesandt, der die Matratze als Teil seines Bettes mitnahm. So wurden die braunschweigischen Fahnen gerettet. Burgoyne hatte sein Ehrenwort gegeben, dass die Offiziere nichts von dem königlichen Eigentum in ihrem Privat-Gepäck mitnehmen würden. Vielleicht meinte man, dass die Fahnen dem Herzog von Braunschweig gehörten und nicht dem König, der sie nur gemietet hatte in Gemeinschaft mit den Verteidigern derselben.

Nachdem die Waffen niedergelegt waren, marschierten die Braunschweiger durch das amerikanische Lager, wo die siegreiche Armee aufgestellt war, um sie zu empfangen. Nicht ein Regiment war richtig uniformiert, sondern jeder Mann war in den Kleidern, die er auf dem Feld, in der Kirche oder im Bierhaus trug. Aber sie standen da wie Soldaten, in guter Ordnung und sehr militärisch, zur grossen Verwunderung der deutschen Offiziere. »Die Leute standen so still, dass wir mit Erstaunen erfüllt wurden,« schreibt einer, »nicht ein Mann machte Miene auch nur mit seinem Nebenmanne zu sprechen. Ausserdem standen die Leute alle so aufgerichtet im Gliede, sahen so schön und kräftig aus, dass es ein Vergnügen war sie anzusehen, und wir alle waren verwundert über diesen schönen Menschenschlag..... In der That, Englisch-Amerika übertrifft den grössten Teil von Europa, was die Grösse und Schönheit seiner Männer anlangt.«