[Kapitel XXI.]

Savannah, Charleston und Pensacola, 1778 bis 1781.

Das Bündnis zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten erhöhte die Möglichkeit der schliesslichen Unabhängigkeit der letzteren. Es war deshalb wichtig, den Amerikanern so viel Gebiet als möglich streitig zu machen, wenn auch nicht ihre Haupt-Armee vernichtet werden könnte. Lord George Germaine hoffte, dass die dünn bevölkerten südlichen Provinzen schnell zum Gehorsam zurückzubringen wären und dass die königliche Autorität vom Golf von Mexico bis zum Susquehanna-Fluss hergestellt werden würde.

Ein weiterer Vorteil sollte dadurch gewonnen werden, dass man die Nord- und Südstaaten gleichzeitig besetzte. Der Sommer und Herbst waren die Zeit der Thätigkeit in den ersteren, Winter und Frühjahr in den letzteren. Der britische General, der seine Truppen zur See befördern konnte, brauchte nur, wenn das Wetter die Operationen behinderte, in den betreffenden Landesteilen soviel Truppen zurückzulassen, als zur Verteidigung nötig waren, und behielt so überall das Übergewicht, welches sehr wichtig war.

Am 6. November 1778 wurden ungefähr 3500 Mann unter Oberstlieutenant Campbell in New-York eingeschifft. Zwei hessische Regimenter nahmen an dieser Expedition teil. Die Transportschiffe wurden durch schlechtes Wetter am Auslaufen verhindert und konnten nicht vor dem 27. Sandy Hook verlassen. Sie erreichten Savannah erst am 24. Dezember nach stürmischer Überfahrt. Die Truppe landete am 29. und schlug einige 800 Amerikaner, die den Versuch machten, Widerstand zu leisten, töteten und verwundeten ungefähr 80 und machten 400 Gefangene. Beinahe 50 Kanonen, beträchtliche Vorräte und mehrere Schiffe fielen in die Hände der Briten, deren Verlust, eingerechnet Hessen und Tories, 20 Mann tot und verwundet betrug.

Die Stadt Savannah bestand aus ungefähr 600 leicht gebauten Häusern. Die meisten Einwohner waren mit den Rebellen weggelaufen und hatten soviel Sachen mitgenommen, als sie nur tragen konnten. Mahagonie-Möbel lagen zerbrochen in den Strassen — ein trauriger Anblick. Die Hessen, erzählt man, hätten nicht geplündert, wie die andern Truppen. Sie waren in den neuen Baracken der Stadt einquartiert.

Im Januar langte General Prevost von St. Augustin an, um den Befehl über die Armee zu übernehmen. Darauf begann die zahllose Reihe von Märschen, welche diese südliche Kampagne auszeichnete. Augusta wurde besetzt, dann wieder aufgegeben. General Lincoln ging mit einer amerikanischen Armee gegen Augusta vor, General Prevost entschlüpfte ihm aber heimlich und bedrohte Charleston. Lincoln kehrte von Georgia zurück und Prevost zog sich nach Johns Island an der Küste von Süd-Karolina zurück. Schliesslich wurde Beaufort eingenommen und Johns Island von den Briten verlassen, deren Haupt-Armee nach Savannah zurückkehrte.

Während dieses Feldzuges ereigneten sich eine oder zwei Begebenheiten, die besonders die Hessen betrafen. An einem Fleck, Stono Ferry genannt, war ein kleines Befestigungswerk errichtet worden, ursprünglich ein Brückenkopf. Es war von Johns Island durch eine Wasserstrasse getrennt, und die Brücke, welche es einst deckte, war abgebrochen worden. Das Befestigungswerk war von dem Regiment von Trümbach, einem Bataillon Hochländern, im Ganzen 500 Mann, besetzt. Dieser Posten wurde am 19. Juni 1779 von Lincolns Armee angegriffen. Die Hessen wichen zuerst zurück, wurden aber von den Hochländern unterstützt. Sie sammelten sich und gingen wieder vor. Die Amerikaner zogen sich dann bei dem Herannahen von deutschen und schottischen Verstärkungen zurück.

Ungefähr zu dieser Zeit kam es in den Gewässern um Johns Island zu zwei verschiedenen Gefechten zwischen hessischer Artillerie und kleinen Schiffen, beziehungsweise Galeeren des Feindes. Bei beiden Gelegenheiten waren die Hessen siegreich, zwangen den Feind zum Rückzug und machten die beteiligten Schiffe kampfunfähig. Es wird erzählt, dass auf einem derselben, der Rattlesnake, mehrere Kanonen und Fahnen, welche von Ralls Brigade erbeutet waren, wieder genommen wurden. Auf welche Weise diese Trophäen nach Süd-Karolina kamen, wird nicht erwähnt.

Am 4. September 1779 erschien die französische Flotte unter Graf d'Estaing plötzlich vor der Mündung des Savannah-Flusses. Sofort wurden alle ausserhalb liegenden Detachements der britischen Armee nach Savannah berufen. Am 23. vereinigten sich Lincoln und seine Leute mit den Franzosen, die von Charleston kamen, und Freiwillige von Süd-Karolina strömten in ihr Lager. Während nun d'Estaing regelrechte Laufgräben anlegte, verstärkten die Soldaten der Besatzung mit den Negern der Stadt zusammen eiligst die Befestigungswerke. Für die französische Flotte war es in Betreff der Jahreszeit zu spät geworden, um mit Sicherheit an der Küste zu bleiben. d'Estaing beschloss einen Angriff zu versuchen. Dieser aber hätte vorher gemacht werden sollen, bevor britische Verstärkungen von Beaufort her eingetroffen und bevor ihre Werke verstärkt worden waren, oder er hätte aufgeschoben werden sollen, bis diese lahm gelegt waren. Der Angriff wurde am 9. Oktober unternommen. Franzosen sowohl wie Amerikaner schlugen sich tapfer und pflanzten ihre Banner auf den Wällen von Savannah auf, doch wurden sie mit grossen Verlusten zurückgeschlagen. Oberst von Porbeck vom Regiment von Wissenbach wurde in Prevosts Bericht lobend erwähnt. Eine Woche später segelten die Franzosen ab, während ein Teil der Amerikaner mit Lincoln nach Charleston zurückkehrte und die übrigen sich in ihre Heimat zerstreuten.