Im Sommer 1779 plante Sir Henry Clinton eine Unternehmung gegen Charleston. Die Ausführung wurde wegen der Nähe der französischen Flotte verschoben, doch als diese nach Europa zurückging, wurde ein Korps von ungefähr 8500 Mann in New-York formiert. Dasselbe bestand aus Engländern, Tories und Hessen. Von den Hessen waren die 4 Grenadier-Bataillone, 1 Regiment Infanterie und ungefähr 250 Jäger ausgewählt. Bei den letzteren befanden sich Kapitän Ewald und Lieutenant Hinrichs. Generallieutenant von Knyphausen war als Befehlshaber in New-York belassen worden. Sir Henry Clinton befehligte die Expedition persönlich. Die Soldaten wurden um den 19. Dezember eingeschifft, konnten aber wegen des Wetters nicht vor dem 29. in See gehen. Die Fahrt war eine sehr stürmische, und als in den ersten Tagen des Februar 1780 der Hauptteil der Flotte an der Mündung des Savannah-Flusses ankam, fehlten eine Menge Transportschiffe. Eine Barke, die Anna, mit 30 hessischen und anspachischen Jägern und andern Soldaten, hatte Anfang Januar die Masten verloren und war von einem Kriegsschiff ins Schlepptau genommen. Bei einem darauffolgenden Sturm riss das Tau, und die Anna fiel nun als segelloser Schiffs-Rumpf dem Spiel der Wellen anheim. Während acht Wochen wurde diese Barke mit 250 Seelen an Bord von den westlichen Winden fortgetrieben. Sie war nur für einen Monat und für 100 Mann verproviantiert, so dass sich bald Hungersnot einstellte. Die Hunde wurden geschlachtet; zuletzt wurden die Knochen zu Mehl gerieben und dieses mit der Brühe aus den Fleischfässern und Hobelspänen zu einer Mahlzeit bereitet. Schon machte der Kapitän den schrecklichen Vorschlag, mit Menschenfleisch das elende Leben zu fristen und zuerst die Frauen zu opfern, aber alle wiesen solches mit Abscheu zurück. Endlich zeigte sich Land, es war die irische Küste. Das Schiff strich aber an einer Klippe an und erhielt ein Leck. Die Verzweiflung steigerte sich, als man bemerkte, dass der Kapitän von der Küste abhielt. Auf Befragen gab er an, dass hier keine erlaubte Anfahrt sei und den königlichen Lootsen 30 Guineen bezahlt werden müssten. Daraufhin wurde er in dem unteren Schiffsraum festgesetzt, und der Obersteuermann übernahm das Kommando der Barke. Dieser brachte sie bis vor St. Ives in Cornwallis, von wo, auf Notschüsse hin, zwei Boote mit einem Lootsen und einem Schiffszimmermann zur Hilfe herbeieilten. Der letztere war angesichts der verhungerten Hessen derartig erschrocken, dass er eiligst wieder von dannen ruderte. Dem Lootsen gelang es, die Barke an das Land heran zu bringen, gerade als sie anfing zu sinken, und die Bemannung wurde schliesslich gerettet.
Die englische Flotte wartete bei Tybee Island bis zum 9. Februar 1780, um die zerstreuten Transportschiffe wieder zu sammeln. Darauf ging sie wieder in See, und am 11. drangen alle Schiffe bis auf die grossen Kriegsschiffe in die Mündung des North Edisto River ein; bei Simons Island wurden die Truppen ausgeschifft. Einen ganzen Monat lang brachten die Soldaten emsig Vorräte und Geschütze an Land, um dort festen Fuss zu fassen, sie drangen dabei über die sandigen Inseln südwestlich von Charleston Harbor vor. Nicht vor dem 12. März wurde das Feuer von Wappoo Neck aus auf die Stadt eröffnet, und erst am 29. ging die britische Armee über den Ashley-Fluss. Inzwischen stiegen die Schanzen aus dem Sand bei Charleston wie die Pilze empor.
Weder der Landung, noch dem Vordringen der feindlichen Armee wurde ein ernstlicher Widerstand entgegengesetzt. Die Gelegenheit, um Widerstand zu leisten oder wenigstens um die Briten zu beunruhigen, war jedenfalls genügend vorhanden, doch wäre hierfür ein fähigerer und mehr energischer Befehlshaber als Lincoln nötig gewesen. Die Angreifer waren nach einer langen und beschwerlichen Reise gelandet und hatten keine Pferde, um ihre Kanonen und Vorräte herbeizuschaffen. Das einzig richtige Verhalten für Lincoln wäre wohl gewesen, wenn er Washington nachgeahmt hätte in seinem Feldzug vor den Ereignissen von Philadelphia. Er hätte eine Schlacht wagen und falls er geschlagen worden wäre, Charleston aufgeben und seine Armee zum Schutz der Südstaaten erhalten sollen. Diese waren nun dem Morden und Plündern überliefert. Der Krieg in den Karolinas und in Virginien kennzeichnete sich durch einen gewissen Grad von Barbarei, der in den östlichen und Mittel-Staaten seinesgleichen nicht fand, ausgenommen die kleinen Plündereien in der Umgebung von New-York. Schon im vorhergehenden Jahre hatten Prevosts Soldaten diese barbarische Art der Kriegführung begonnen. Die Spuren ihrer Thätigkeit waren in jedem Hause auf den Inseln, die sie bei Charleston besetzt hatten, sichtbar.
Während Lincoln seine Erdwerke in der Stadt aufwarf, erhielten die Engländer Verstärkungen von Savannah her. Die Kriegsschiffe, mit Ausnahme der schwersten, wurden gehoben, über die Sandbank gebracht und wiederhergestellt. Fort Moultrie verteidigte währenddessen die Stadt, die amerikanischen und französischen Schiffe den Hafen; zwischen diesem und Charleston hatten die Belagerten Schiffe versenkt, um die Einfahrt zu sperren. Kleine Abteilungen Amerikaner beobachteten die Bewegungen der Briten. Am 26. März unternahmen Sir Henry Clinton und mehrere Generale einen Ritt, um Colonel Patterson entgegenzugehen, welcher Verstärkungen von Savannah brachte. Sie kehrten glücklich zurück, obwohl sie ohne Escorte waren; ein Tory-Oberst und ein Hospital-Inspektor aber, die eine kurze Strecke hinter ihnen her ritten, wurden gefangen genommen.
Ewald erzählt mit Befriedigung, wie er einmal auf Johns Island in South Karolina im Frühjahr 1780 eine Stellung rekognosziert hätte, indem er ruhig bis an einen feindlichen Posten herangegangen wäre, seinen Hut abgenommen und eine Unterhaltung mit dem befehligenden Offizier angeknüpft hätte. Dieser Aussenposten war von Pulaskis Legion gestellt worden, deren Offiziere Polen und Franzosen waren, in deren Galanterie der deutsche Kapitän Vertrauen hatte — eine Galanterie, für die die eingeborenen Amerikaner kein Verständnis haben konnten noch wollten.
Am 30. März 1780 lagerte die englische Armee einige 3000 Yards vor den Linien von Charleston. Gegen Abend standen die Pickets der hessischen Jäger etwa eine Meile vor der Stadt. Vor ihnen lag eine flache, sandige Ebene ohne jedes Haus oder einen Baum oder Busch. Die einzig mögliche Deckung gewährten einige Gräben. In der Nacht auf den 31. März wurde die erste Parallele eröffnet. Am folgenden Morgen begannen die Einwohner ihre Familien und Wertgegenstände auf Booten den Cooper River hinauf zu befördern, der einzige Weg, der offen geblieben war. Stromabwärts kamen am 7. April 700 Virginian Continentals zur Verstärkung der Besatzung. Sie wurden mit Glockengeläute und Artillerie-Salven empfangen. Nacht auf Nacht wurde die Arbeit in den Trancheen fortgesetzt. Die Artillerie des Verteidigers bemühte sich vergeblich, diese Arbeit zu stören.
Am Nachmittag des 8. April war der Himmel mit Wolken bedeckt, es war Flut eingetreten und der Wind blies stark von Süden her. Sieben Kriegsschiffe und ein Transportschiff, in einer Linie hintereinander segelnd, näherten sich Fort Moultrie. An der Spitze befand sich Admiral Arbuthnot in einem kleinen Boot, mit dem Blei in der Hand, um die Tiefe zu messen. Das Feuer vom Fort aus war furchtbar. Der »Roebuck«, das Têtenschiff, segelte dicht an die Werke heran, gab eine Breitseite ab und fuhr unverletzt weiter in den Hafen. Das zweite Schiff verlor ein Stück von einem Mast. Ein anderes legte sich dicht vor das Fort und unterhielt ein unaufhörliches Feuer, so dass das ganze Schiff wie ein langer Blitzstrahl erschien. Das ganze Geschwader gelangte in den Hafen mit Ausnahme des Transportschiffes, welches auf den Grund fuhr und in Brand gesteckt wurde. Das schöne Bild wurde von Tausenden von Zuschauern beobachtet. Die Amerikaner versammelten sich auf den Wällen der Stadt, die Engländer und Deutschen stiegen auf ihre Belagerungswerke. Die Operationen in der Bai hatten ihr Interesse so sehr in Anspruch genommen, dass das Gefecht an Land so lange unterbrochen wurde. Sobald das zweite Schiff das Fort passiert hatte, verschwanden die Amerikaner von den Wällen von Charleston und bald darauf sah man eine Menge kleiner Boote auf dem Cooper River, welche die Furchtsamern der Einwohner wegbeförderten.
Die Verbindung zwischen Fort Moultrie und Charleston war nunmehr abgeschnitten. Jedoch fand die britische Flotte ihr weiteres Vordringen durch eine Linie von versenkten Schiffen gehindert und konnte nicht den Cooper River hinaufsegeln, um die amerikanischen Werke im Rücken zu fassen. Da einige Schiffe im Fluss den Operationen des Belagerers hinderlich waren, wurden mehrere grosse Ruderboote über Land geschleppt. Das zu diesem Zweck gebrauchte Transportmittel wurde von hundertundvierunddreissig Negern gezogen. Die Arbeit an den Approchen ging unaufhörlich weiter, jedoch die Belagerung wurde dadurch, dass einige der schweren Geschütze und die meisten Pferde auf See verloren gegangen waren, etwas verlangsamt. Der Belagerungs-Park wurde durch Schiffsgeschütze versorgt, die mit grosser Mühe über Land von James Island her gebracht wurden. Am 13. April wurde von der hessischen Artillerie lebhaft gefeuert, wodurch mehrere Häuser in Brand gerieten. Sir Henry Clinton befahl seinen Batterien, das Feuer zu mässigen, damit der Brand gelöscht werden könnte. In der folgenden Nacht wurde die zweite Parallele eröffnet, bald darauf aber begannen die Amerikaner Gegen-Approchen anzulegen, so dass nicht nur Artillerie-, sondern auch Musketen-Feuer zur Verwendung kam. Jedoch am 20. waren die Belagerungsarbeiten so weit vorgeschritten, dass die Jäger im Stande waren, Leute durch die Schiessscharten der Befestigungswerke zu treffen und das Bedienen der Geschütze sehr gefährlich zu machen. Die dritte Parallele wurde in der darauffolgenden Nacht eröffnet und am 21. bot Lincoln, der am Tage, nachdem die Flotte Fort Moultrie passiert, seine Übergabe verweigert hatte, die Kapitulation an. Die Feindseligkeiten wurden sechs Stunden lang aufgehoben, aber nach Ablauf derselben erneuert, da die Generale sich über die Bedingungen nicht einigen konnten. Am 24. machten die Amerikaner einen Ausfall und drangen an einzelnen Stellen bis zur zweiten Parallele vor, wurden aber sofort wieder in die Stadt zurückgeworfen. Am 26. nahmen die Briten ein Fort in Besitz, welches den Cooper River beherrschte, sodass die Belagerten nunmehr völlig in Charleston eingeschlossen waren.
In der Nacht zum 3. Mai ruderte eine Abteilung aus dem Lager des Angreifers heimlich an einen Dreimaster heran, welcher dicht vor der Stadt lag. Sie erkletterten das Deck, welches sie unverteidigt fanden, lichteten die Anker und nahmen das Schiff mit in die britischen Linien. Am nächsten Morgen, als sie bei der Untersuchung ihrer Beute hinunter stiegen, ergab es sich, dass es ein Lazarethschiff war, gefüllt mit Pockenkranken.
Die Belagerung näherte sich ihrem Ende. In der Nacht zum 7. Mai 1780 wurde Fort Moultrie von Seeleuten genommen. Am 8. wurden die Verhandlungen wegen der Übergabe wieder aufgenommen, jedoch abermals abgebrochen; bis schliesslich am 11. Clintons Bedingungen durchgesetzt wurden, welche darin bestanden, dass die Besatzung mit verhüllten Fahnen und klingendem Spiel (aber nicht mit einem englischen oder hessischen Marsch) ausmarschieren und ausserhalb derselben die Waffen niederlegen sollten. Die Continentals wurden kriegsgefangen, die Miliz sollte auf Ehrenwort in die Heimat zurückkehren. Auf Grund dieser Kapitulation marschierten die Continentals am 12. aus; die Musik spielte einen türkischen Marsch. Die Offiziere durften ihre Säbel behalten, mussten sie aber einige Tage später abliefern, weil sie »Unordnung« in der Stadt hervorrufen würden. Die Besatzung war in einen sehr zerlumpten und bedauerlichen Zustand herabgesunken. Sie war nicht viel mehr als halb so stark als die Belagerer, die amerikanische Miliz mit inbegriffen. Die Continentals waren ungefähr 2500 Mann stark, die englische Armee wenigstens 12000 Mann. Die Stadt war nur durch Erdwerke verteidigt, und eigentlich mehr ein verschanztes Lager als eine Festung. Der Verlust der Belagerer an Toten und Verwundeten ist in einem hessischen Journal auf 265 Mann angegeben.