Die Stadt Charleston hatte ungefähr 15000 Einwohner und war eine der reichsten und schönsten Städte in Nord-Amerika. Die grossen und schönen Häuser waren nicht dicht nebeneinander gebaut, sondern es war der bessern Luft wegen viel freier Raum gelassen. Sie waren sehr gut eingerichtet mit Mahagoni-Möbeln und Silbergerät, und es wurde viel auf Reinlichkeit gehalten. Die Strassen waren ungepflastert und sandig, hatten aber auf den Seiten einen schmalen Fussweg. Selbst im Mai war der Staub unerträglich. Die meisten reichen Familien waren bei der Annäherung der Briten geflohen. Es waren auch viel Deutsche und deutsche Juden in der Stadt, und viele Ärzte wegen des ungesunden Klimas. Die Frauen, wenigstens die meisten von denen, die zurückgeblieben waren, waren bleich und hässlich. Der Ort war natürlich voll von Negern, die die Hälfte der Bevölkerung ausmachten.

Die Neger waren im britischen Lager angesammelt, zwei Transporte von ihnen waren Ende Februar von Savannah aus geholt worden. Die Sklaven der Rebellen waren konfisziert worden. Diese Sklaven in Süd-Karolina waren die am meisten heruntergekommenen auf dem Kontinent und von ihren frühern Besitzern am schlechtesten behandelt worden. Die Feldarbeiter unter ihnen erhielten, einem hessischen Journal zufolge, täglich gewöhnlich ein Quart Reis oder Indian corn, das sie halb gekocht assen, da sie es in dieser Zubereitung nahrhafter fanden als ganz gekocht. Viele hatten kaum einen Lappen, um ihre Blössen zu bedecken. Nur wenige verstanden Englisch. Am 31. Mai bekam jedes Regiment, das nach New-York ging, zehn Sklaven. Die Neger bildeten einen Teil der Kriegsbeute, und Tausende wurden zum Verkauf nach West-Indien verschifft.

Anfang Juni segelte Sir Henry Clinton nach New-York. Mit ihm gingen die hessischen Grenadiere und Jäger, einige hessische Regimenter blieben zurück.

Die Expeditionen nach Savannah und Charleston waren nicht die am weitesten entfernten, an denen die deutschen Hilfstruppen beteiligt waren. Im Herbst 1778 wurden ungefähr 1200 Mann Waldecker und Provinzials unter Generalmajor John Campbell abgesandt, um die Garnisonen von West-Florida zu verstärken. Sie segelten Anfang November, liefen Jamaica an und landeten Ende Januar 1779 in Pensacola. Pensacola war damals eine Stadt von ungefähr 200 hölzernen Häusern, die durch Forts aus Holz und Sand verteidigt wurde. Sie lag in einer Sandwüste, die von dichten, unermesslichen Wäldern umgeben war. Nach Georgia reiste man auf dem alten Handelsweg vier Wochen lang. Die Wälder wurden durch Indianer beunruhigt, die von den Briten für jeden feindlichen Skalp drei Pfund Sterling erhielten. Die Waldecker fanden unter den Indianern einen Landsmann, Namens Brandenstein, der in seiner Jugend aus dem waldeck'schen Dienst desertiert war und nach vielen Abenteuern die Sitten und Gewohnheiten eines indianischen Kriegers angenommen hatte.

Die Besatzung von Pensacola war zuerst damit beschäftigt, die Stadt zur Verteidigung einzurichten. Oberstlieutenant Dickson, ein englischer Offizier, hielt Baton Rouge. Im Lauf des Sommers 1779 wurden ihm drei Kompagnien Waldecker zur Verstärkung zugesandt. Inzwischen war zwischen England und Spanien Krieg ausgebrochen. Don Bernardo de Galvez, der spanische Gouverneur von New-Orleans, war ein junger und energischer Mann. Er erbeutete mehrere kleine Schiffe auf dem Mississippi und in der Nähe seiner Mündung. Im September wurden 53 Waldecker auf dem Lake Pontchartrain zu Gefangenen gemacht. Die Spanier gingen gegen Baton Rouge vor und begannen nach zwei vergeblichen Versuchen, die Werke mit Sturm zu nehmen, eine regelrechte Belagerung. Dickson kapitulierte, und die Besatzung marschierte mit allen Kriegsehren aus dem Fort heraus. Sie zählten über 400, die Belagerer unter Galvez zwischen 1400 und 2000 Mann. Beinahe die Hälfte der kapitulierenden Besatzung waren Waldecker, und mehr als 30 waren von dem Regiment gefallen oder verwundet.

Die Nachricht von Dicksons Übergabe erreichte Pensacola am 20. Oktober, wurde aber zuerst mit Unglauben aufgenommen. »Ist dies nicht ein verwünschtes Land, um Krieg darin zu führen,« schreibt der Waldecker Kaplan, »wo der grössere Teil des Korps seit fünf Wochen gefangen genommen, 1200 Meilen Landes im Besitz des Feindes sind, und der kommandierende General weiss es noch nicht einmal mit Bestimmtheit.«

Im März 1780 rückte ein Teil der Besatzung von Pensacola zum Entsatz von Mobile aus, kam aber zur Rettung dieser Stadt zu spät. Bald nach Rückkehr der Truppen nach Pensacola kam vor dem Hafen eine spanische Flotte von 21 Schiffen in Sicht, verschwand aber drei Tage später wieder. Die Spanier hatten das Land bis zum Pertido River in Besitz, überschritten diesen einmal im April, wurden aber von den Indianern zurückgeworfen. Indes waren letztere sehr unzuverlässige Hilfstruppen. Der Rest des Jahres 1780 verlief ohne jegliches Ereignis von Bedeutung in Florida.

Anfang Januar 1781 machte Oberst von Hanxleden mit 115 Weissen und 300 Choctaws eine Expedition gegen French Village. Sie fanden aber einen hartnäckigen Widerstand und wurden zurückgeschlagen. Die Zahl der Toten und Verwundeten auf englischer Seite war beträchtlich; unter den Gefallenen befand sich auch Oberst von Hanxleden. Am 9. März erschien eine spanische Flotte von 38 Schiffen vor Pensacola, und während der folgenden Nacht wurde ein Truppen-Korps auf der Insel Santa Rosa ausgeschifft, welche am Eingang des Hafens liegt. Von da ab nahm die Belagerung des Ortes ihren regelmässigen Fortgang. Am 19. lief die Flotte, indem sie einen günstigen Wind benutzte, bei den Befestigungswerken vorbei, in die Bai ein. Von Zeit zu Zeit erhielten die Spanier Verstärkungen. Am 15. April brachte ein Deserteur die Nachricht, dass Galvez 10000 Mann stark sei. Der Schreiber des Waldecker Journals erwähnt diese Truppenzahl als fünfzehnmal stärker als die in Pensacola, woraus man entnehmen kann, dass General Campbell zwischen 6 und 700 Weisse befehligte. Die Indianer leisteten, obwohl dem Trunk ergeben, barbarisch und undiszipliniert, den Engländern gute Dienste. Schliesslich, am Morgen des 8. Mai, krepierte eine Bombe in dem Pulver-Magazin einer der Redouten, durch die viele pennsylvanische Tories, die das Werk besetzt hielten, getötet wurden und eine grosse Verwirrung entstand. Hieraufhin verstärkten die Spanier ihr Feuer, und am Nachmittag desselben Tages zog General Campbell die weisse Flagge auf und ergab sich unter der Bedingung, dass die ganze Besatzung nach New-York eingeschifft werden und bis zur Auswechselung nicht mehr gegen Spanien oder dessen Verbündete kämpfen sollte. Da zu jener Zeit die Vereinigten Staaten nicht mit Spanien verbündet waren, so konnten die Waldecker sofort gegen die Amerikaner Verwendung finden.


[Kapitel XXII.]