New-York in den Jahren 1780 und 1781.
Als Sir Henry Clinton im Dezember 1779 nach Charleston segelte, legte er das Kommando über die Besatzung von New-York in die Hände des Generallieutenants von Knyphausen. Die regulären Truppen in und ausserhalb der Stadt bestanden aus etwa 6000 Engländern, Hessen und Anspachern. Durch Bewaffnung der Einwohner und Matrosen derjenigen Schiffe, welche im zugefrorenen Hafen lagen, gelang es Knyphausen, seine Truppen nahezu zu verdoppeln; die neuen Rekruten waren immerhin gut genug, um hinter den Befestigungswerken verwendet zu werden. Washington hingegen befehligte eine kleine, schlecht verpflegte und unbezahlte Armee, die im Frühjahr 1780 kaum 7000 Reguläre stark war, und selbst von diesen konnte nur die Hälfte dem Garnisondienst zur Verwendung im Felde entzogen werden.
Der Winter war ungewöhnlich kalt. Sowohl der North- und East-River und Long-Island-Sound, als auch der Kanal zwischen Staten-Island und dem New-Jersey-Ufer waren zugefroren. Dies begünstigte Unternehmungen, die fortwährend auf beiden Seiten gemacht wurden. Im Januar landete Lord Stirling auf Staten-Island, fand aber die dortige Besatzung in Bereitschaft und kehrte nach New-Jersey mit seinen Leuten zurück, von denen viele durch Erfrieren von Gliedern stark gelitten hatten. Knyphausen traf Vorbereitungen, durch das Treibeis im Hafen hindurch Verstärkungen nach der Insel zu senden.
Ende dieses Monats und anfangs Februar fanden Unternehmungen gegen Elisabethtown Newark und Youngs House statt, bei denen die Briten viele Gefangene machten.
Mit dem Jahr 1780 war ein frischer Geist in die Kriegführung hineingekommen. Howe und Burgoyne hatten gehofft, nicht nur zu erobern, sondern auch zu versöhnen. Haus und Eigentum von Nichtkombattanten war bis zu einem gewissen Grade verschont geblieben. Clinton und Cornwallis, die nach den Weisungen von Lord George Germaine verfuhren, gaben diese Politik der Versöhnung auf. Expeditionen wurden nur zum Zwecke der Plünderung und Verwüstung unternommen. Bei diesen wurden auch die Hessen verwendet. Am Abend des 22. März 1780 z. B. wurde eine Abteilung von 400 Mann, Briten und Hessen, über den Hudson gesetzt. Ungefähr um 3 Uhr morgens erreichten sie Haecensack, welches zu damaliger Zeit ein schönes, reiches Dorf war. Es wurde kein Widerstand geleistet. Nicht ein amerikanischer Soldat war im Orte, und niemand konnte die Barbareien verhindern, welche verübt wurden. Die Briten und Hessen brachen in die Häuser ein und beluden sich mit Beute. Alle männlichen Einwohner, deren sie habhaft werden konnten, wurden gefangen genommen, und nachdem das Rauben zu Ende war, steckten sie das Stadthaus und einige der Haupt-Wohngebäude in Brand. Bei Tagesanbruch kamen 5 oder 600 Amerikaner von Pollingtown zu Hilfe, und es hätte den Eindringlingen schlecht ergehen können, wenn nicht ein Detachement von ungefähr 400 Mann unter dem Parteigänger Emmerich zu ihrer Unterstützung herangekommen wäre. Sie wurden nach dem Hudson zurückgeworfen. Aus dem Tagebuch des anspach'schen Musketiers Doehla entnimmt Eelking folgende Stelle: »Wir machten beträchtliche Beute an Geld, silbernen Uhren, silbernen Tellern und Löffeln, Haushalts-Gegenständen, Kleidern, feinem englischen Leinen, seidenen Strümpfen, Handschuhen, Halstüchern und andern wertvollen seidenen Sachen und Stoffen. Meine eigene Beute, die ich glücklich zurückbrachte, bestand in zwei silbernen Uhren, drei Paar silbernen Schnallen, einem Paar Frauen-Strümpfen in Wolle, einem Paar Strümpfen für Männer, zwei Hemden und vier Vorhemden von feinem englischen Leinen, zwei feinen Tischtüchern, einem silbernen Löffel und einem Theelöffel, fünf spanischen Dollars und sechs Yorkschillings an Geld. Das andere, nämlich elf Stücke feines Leinen und über zwei Dutzend seidene Tücher, sechs silberne Teller und ein silberner Trinkbecher, was ich alles in ein Bündel zusammengeschnürt hatte, musste ich wegen des eiligen Marsches wegwerfen und den nacheilenden Feinden überlassen.«
Knyphausen behauptet, den Amerikanern im Laufe des Winters einen Verlust an 65 Toten und 320 Gefangenen zugefügt zu haben. Der beginnende Sommer gab Gelegenheit zu wichtigerer Thätigkeit. Am Abend des 6. Juni 1780 wurde die erste der fünf Divisionen des britischen Expeditions-Korps auf New-Jersey bei Elizabethtown-Point gelandet, die vier andern Divisionen folgten am nächsten Tage. Diese setzten sich aus beinahe sämtlichen regulären Truppen zusammen, die Knyphausen zu seiner Verfügung hatte. Die erste und zweite Division drangen durch Elizabethtown und Connecticut Farms vor, wo sie ziemlichen Widerstand fanden. Bei letzterem Ort machte die Armee Halt, die Jäger wurden gegen Springfield vorgeschoben. Zu jener Zeit waren die Jäger nur 300 Mann stark, da ein Teil des Korps in Charleston war, ein anderer in Kavallerie, oder besser gesagt berittene Jäger umgewandelt worden war. Diese 300 hatten an diesem Tage am meisten auszuhalten. Die Amerikaner fochten mit grosser Ausdauer und griffen wiederholt mit dem Bajonnet an. Ungefähr um 1 Uhr bekamen die Jäger Unterstützung, und der Feind wurde nach Springfield zurückgetrieben. Es begann nun ein heftiges Feuer, ungefähr um 4 Uhr nachmittags aber wurden die Jäger zurückbeordert in ihre erste Stellung, wo die Armee biwakierte. Kaum als die Pickets in einigen Häusern vor der Front postiert waren, wurden sie angegriffen. Die Jäger feuerten und schlugen die Amerikaner eine weite Strecke zurück. Die Häuser wurden verbrannt. Drei Geschütze wurden in Stellung gebracht, der Feind aber erneuerte nicht seinen Angriff. Die Jäger verloren an diesem Tage 55 Mann an Toten und Verwundeten. Während der Dämmerung brachten Deserteure die Nachricht, dass Washington mit seiner Hauptarmee während der Nacht in Springfield erwartet würde. Daraufhin brach Knyphausen um 11 Uhr abends auf und kehrte nach Elizabethtown Point zurück. Am nächsten Tage griff Lord Stirling mit der amerikanischen Avantgarde ein englisches Regiment an, dieses wurde aber von zwei deutschen Regimentern unterstützt, infolgedessen die Amerikaner nach Elizabethtown zurückgeschlagen wurden. Im Lauf der nächsten Tage fanden ununterbrochen Scharmützel statt. Am 13. machten die berittenen Jäger den Versuch, ein amerikanisches Kavallerie-Picket zu überfallen und gefangen zu nehmen, ihr Vorhaben wurde aber verraten, und das Picket entkam. »Es ist beinahe unmöglich, den Feind bei irgend einer Gelegenheit zu überraschen,« sagt das Journal des Jäger-Korps, »weil jedes Haus, in dessen Nähe man kommt, sozusagen ein vorgeschobenes Picket ist; denn der Farmer, oder sein Sohn, oder Knecht, und selbst seine Frau und Tochter schiessen mit einer Flinte oder benutzen Schleichwege, um das Herannahen des Feindes zu melden.«
Am 19. Juni hielt Sir Henry Clinton, der eben von Charleston mit den hessischen Grenadieren und dem Jäger-Detachement, den britischen Grenadieren und der leichten Infanterie und den Provincial Queens Rangers zurückgekehrt war, über Knyphausens Armee Revue ab. Es wurden Vorbereitungen zum Vormarsch getroffen, und am 23. rückten vier deutsche Regimenter, die Jäger, sechs Regimenter Engländer und Tories gegen Springfield vor. Eine Zeit lang hielten die Amerikaner die Stellung bei Connecticut Farms, zogen sich aber bald nach dem Schlachtfeld vom 7. zurück, während die englische Armee sich auf den Höhen diesseits Springfield entwickelte. Der Passaic River lag zwischen den beiden Stellungen, die Amerikaner unter Major Lee hielten die Brücke. Die Hessen durchwateten den Strom angesichts eines heftigen Feuers, während ein englisches Regiment die Brücke angriff, wodurch Lee bis auf die Höhen jenseits der Stadt zurückgeworfen wurde, wo er sich mit einem stärkeren Korps vereinigte. Die Stadt Springfield wurde genommen, und jenseits derselben schlugen sich die Jäger der Avantgarde eine Stunde lang mit dem Feinde herum. Darauf steckten die Briten die Stadt in Brand und zogen sich zurück. Die Jäger bildeten nunmehr die Arrieregarde und konnten kaum zwischen den brennenden Häusern hindurchkommen. Die Amerikaner drängten scharf nach und erschwerten ihnen den Rückzug. Ungefähr zwei Meilen von Elizabethtown wurden die Jäger von einem englischen Regiment aufgenommen, und der Rückzug wurde bis Elizabethtown Point fortgesetzt. Hier nahmen die Truppen ihre alten Stellungen ein, bekamen aber während der Nacht den Befehl, aus dem Lager aufzubrechen und nach Staten Island überzugehen. Dies geschah, und die Schiffbrücke, die am 11. zwischen der Insel und dem Festlande gebaut war, wurde sofort abgebrochen, während ein hessisches Regiment in dem Brückenkopf auf dem Jersey-Ufer verblieb, bis diese Operation vollendet war. Ungefähr um 3 Uhr morgens war die ganze Armee übergegangen. Der Verlust der Jäger am Tage vorher war beträchtlich, vierundzwanzig Tote und Verwundete bei dem Angriff auf die Brücke über den Passaic-River, und wahrscheinlich ebensoviel jenseits des Flusses und auf dem Rückzuge.
Diese Expedition nach Springfield war der letzte Versuch, den Sir Henry Clinton machte, um Washingtons Hauptarmee in New-Jersey anzugreifen. Der übrige Teil des Jahres verlief, abgesehen von dem Verrat Arnolds und der Hinrichtung von André in den Nordstaaten, ohne besonders wichtige Ereignisse; auch ist in der ersten Hälfte des Jahres 1781 kein Zusammenstoss zu verzeichnen, welcher als etwas anderes als ein Scharmützel gelten könnte.
Am Abend des 2. Juli 1781 war der Parteigänger Emmerich mit hundert Mann nach Philipps House marschiert. Während der Nacht hatte Oberstlieutenant von Wurmb die Meldung bekommen, dass die amerikanische Armee auf New-York im Anmarsch wäre, und dass deren Avantgarde bei Sing-Sing beobachtet worden sei. Es wurde deshalb ein Oberstlieutenant mit 200 Jägern und 30 Kavalleristen bei Morgengrauen abgesandt, um Nachrichten zu bringen und den Rückzug Emmerichs zu decken. Der Oberstlieutenant ging über Kingsbridge den Harlem Creek entlang, gleichzeitig einen Unteroffizier und 10 Mann mit dem Auftrag entsendend, die Ruinen des Forts Independence, welches seine Strasse beherrschte, zu rekognoszieren. Beim Erreichen der Höhe, auf welcher das Fort erbaut worden war, bemerkte der die Rekognoszierungs-Patrouille befehligende Sergeant Rübenkönig in nächster Nähe einige Leute. Nicht im Stande, in der Morgendämmerung zu unterscheiden, wer sie wären, ging er ihnen allein entgegen und glaubte die blauen Röcke mit den strohfarbenen Besätzen des Regiments von Donop, von welchem ein Teil unter Emmerichs Kommando war, zu erkennen. Er hätte ihnen beinahe »Guten Morgen« gewünscht, als ein halbes Dutzend Leute auf ihn los sprang, ihn bei den Haaren und dem Bandolier seiner Patronentasche fasste und versuchte, ihn festzuhalten. Rübenkönig aber entwand sich ihren Händen und eilte unter dem Ruf: »Rebellen, Rebellen!« zu seiner Abteilung.
Die Avantgarde der Jäger befand sich unterdessen auf dem Engweg zwischen dem Hügel, auf welchem das Fort war, und Harlem River. Die Leute hatten ihren Rückweg durch einen Morast zu machen. Die Stelle, wo die Hauptabteilung aufmarschiert war, war eng und unvorteilhaft. Der erste Ansturm gegen die Amerikaner wurde abgeschlagen, wobei die Deutschen in Unordnung zurückgingen. Darauf attackierte die Kavallerie ohne Erfolg, die Amerikaner aber zogen sich nach den Ruinen des Forts zurück, wodurch die Jäger Zeit fanden, sich in Ordnung und in einer günstigen Stellung zu sammeln. Schliesslich wurden die Amerikaner aus ihrer Stellung vertrieben, wohl infolge der Annäherung von Verstärkungen auf Seiten der Deutschen, denn Oberstlieutenant von Wurmb traf um diese Zeit ein. Sie zogen sich auf eine Höhe in einer Entfernung von ungefähr 1000 Yards zurück, etwa 6-700 Mann stark. Emmerich hatte sich mit seiner Abteilung inzwischen über den Spyt den Duyvel Creek zurückgezogen, und war, da die Brücke in Händen des Feindes war, von den Jägern abgeschnitten worden. Das ganze Korps mit der Kavallerie ging deshalb vor, um die Brücke zu nehmen; die Amerikaner zogen sich langsam zurück. Wurmb machte hier, nachdem er seinen Auftrag soweit ausgeführt, und in dem Glauben, der Feind wollte ihn in einen Hinterhalt locken, mit seinem Detachement Halt und schickte Meldung an das Hauptquartier. Am Nachmittag ging die amerikanische Armee vor und lagerte auf Valentines Hill in einer Ausdehnung von Courtlands Reach bis Spyt den Duyvel. Der hessische Verlust in diesem Gefecht betrug 30 Mann tot und verwundet.