Ich mußte wahrheitsgemäß antworten, daß ich dies nicht wisse. Ich hätte bei einem Freunde geschlafen, sagte ich.

„Und wie weit ist es von hier?“

„Zu Fuß?“, schlüpfte mir als Gegenfrage aus dem Mund und das war dumm.

„Willst mi eppa pflanzen?“, fuhr er mich bös an. „I wer doch net im Fiaker hinfahren!“

Zum Glück machte der Kanalräumer, der sich auch Jahre lang in Deutschland herumgetrieben hatte und nicht nur deutsch, sondern auch italienisch — der Verkehr mit den italienischen Erdarbeitern brachte das mit sich — verstand, weiteren Angriffen des steirischen Zuckerbäckers gegen mich ein Ende. Er teilte ihm mit, daß er von Prag nach Hamburg etwa zwölf Tage zu gehen habe, wenn er täglich fünfzig Kilometer zurücklege. In Hamburg gebe es zwei Asyle, er möge aber nicht in das Polizeiasyl gehen, denn dort werde jeder Kunde photographiert. Auch im Asyl der Magdeburger Arbeiterkolonie möge er sich nicht aufhalten; dort müsse man vor der Aufnahme das Arbeitsbuch abgeben und müsse Holz sägen und hacken, „ärger wie im Arbeitshaus.“ Dann gab der Kanalräumer dem Zuckerbäcker noch einige geographische Ratschläge. Er beschrieb ihm den Weg, den er einschlagen müsse, um vier Heller Überfuhr zu ersparen, und nannte ihm die Straßen, auf denen gute Zwetschken zu erhaschen seien. Auch über die Schubverhältnisse, über die Handhabung des Vagabundagesetzes und über die Naturalverpflegsstationen und die Herbergen in den einzelnen Orten sagte er dem Zuckerbäcker manch kräftiges Wörtlein.

Während des Gespräches zog der Kanalräumer wiederholt ein Fläschchen aus der Tasche und stärkte sich. Schließlich war der Schnaps alle.

„Hol’s der Teufel, daß man hier kein Bier kriegt,“ brummte der Kanalräumer wütend.

„Ich wär’ wieder froh, wenn ich rauchen könnte,“ sagte ich, um etwas zu sagen.

„Hast du denn ein Stückchen Zigarette?“ meinte jener mit lauerndem Blick. „Ich würde mich draußen einsperren und rauchen.“

Ich brach in der Tasche eine „Sport“ in die Hälfte und reichte meinem Schlafgenossen eine Hälfte. Der hatte sie kaum in der Hand, als sich schon der Zuckerbäckergehilfe an ihn herandrängte und ihn flehentlich bat: „Schenk mir ein Stückel.“ Da wurde denn die halbe Zigarette redlich geteilt.