Wir müssen noch eine andere Vorstellung über uns ergehen lassen. Ein Irrsinniger, der nicht sprechen, sondern nur unverständliche Laute zu stammeln vermag, hängt einen Hampelmann an einen Schrank, umhüllt sich und einen anderen stummen Irren mit einem Laken, schlägt mit einem Löffel dreimal an ein Wasserglas, und beginnt nun vor dem Hampelmann verzückte Tänze und Körperschwingen zu exekutieren. Er singt dabei in eintönigem Rhythmus irgendwelche Worte. Sein Genosse, der überhaupt sein willenloses Werkzeug ist, hat nur die Aufgabe, die Bewegungen zu kopieren, und tut es mit einem dumpf-begeisterten Lachen. Was aber in dem Innern des Protagonisten vorgeht, des Irren, dem die Anbetung des Hampelmannes etwas Primäres ist — wer weiß das zu sagen.

Noch trübere Bilder: Ein Kranker steht gebückt in seinem Bett und starrt aus dem Fenster hinaus ins Leere. Eine Woche steht er schon so da, und selbst wenn man ihm Speise einflößt, schaut er aus dem Fenster hinaus in jene Richtung, in der sein Sehnsuchtsland liegt.

Ein ganz kleiner Junge, der sehr, sehr schwer krank ist, treibt in einem Krankenzimmer seine Possen. Er ist der Liebling seiner alten Zimmerkollegen, und sie vollführen alle seine Wünsche. Der Kleine ist ein Adeliger, der Enkel eines Hofrates, der früher in Österreich eine nicht unbeträchtliche Rolle gespielt hat. Die Töchter des Hofrates sind tief gesunken, der kleine Enkel kam zunächst ins Waisenhaus und dann hierher.

Dort im Bette in der Ecke verstummt plötzlich das Röcheln, das bislang hörbar war. Der Arzt geht hin und leuchtet dem wachsbleichen Mann unter das Augenlid. Die Irren sammeln sich rings um das Bett und stieren auf den Alten. „Exitus,“ konstatiert der Arzt leise.

Volksküchen

Hiemit will ich einige grundlegende Details über Prager Volksküchen veröffentlichen, auf daß sich der geneigte Leser, der — bei der gegenwärtigen Nahrungsmittelteuerung kann man nicht wissen! — dort Stammgast werden will, nicht so blamiere, wie ich bei meinem ersten Besuche. So habe ich zum Beispiel in der Straße, in der sich die Volksküche befindet, eine Gruppe von Verwahrlosten danach gefragt, wo die Volksküche sei. Da musterte der eine meinen derangierten Anzug, und weil er sich nicht vorstellen konnte, daß ich Lump zum erstenmale den Weg in das Volksrestaurant gehe, und es mit meiner Frage ernst meine, so lachte er:

„Wenn du nicht weißt, wo die Volksküche ist, so kannst du ja ins Hotel „Blauer Stern“ essen gehen. Das ist am Graben.“ Und ein wüstes Gegröhle der anderen lohnte den Witzbold und verhöhnte mich.

Ich fand aber den Eingang zur Volksküche doch, und drängte mich am Schalter. Dort hatte ich Gelegenheit, mich zum zweitenmale zu blamieren.

„Was kostet eine Suppe?“ fragte ich einen Burschen, der sich neben mir drängte.