„Wer wird denn jetzt Fahnenträger bei den Ausflügen der Sträflinge sein, wenn du ihnen untreu geworden bist.“ Neuerliches Halloh. Aber der Verspottete frisiert sich ruhig weiter:
„Ich hab’s erledigt. Aber du wirst erst anfangen.“
Dann wird der Strafvollzug in den einzelnen Gerichten Böhmens und Mährens einer vergleichenden Erörterung unterzogen. Der eine lobt sich seine Salonzelle in Mährisch-Budwitz, der andere schimpft auf sein Gerichtsquartier in einer südböhmischen Stadt. Auch das Schubwesen und die Behandlung in den einzelnen Schubstationen werden fachlich besprochen, und es gibt keinen Mißstand, der nicht auf Grund reicher Erfahrungen vollkommen aufgedeckt worden wäre. Man sollte die Stammgäste der Wärmestuben bei Enquêten in Justizangelegenheiten heranziehen. Sie sind ja die Hauptbeteiligten, und wären zweifelsohne die bestinformierten Experten.
Einer, der das große Wort führt und viel von Weibern und Pferden erzählt — allerdings von solchen, die nicht edler Rasse sind — hat mich ins Auge gefaßt:
„Gehst du heut’ ins Asyl?“
Ich verneine. Erst am nächsten Donnerstag sei der Monat um, seitdem ich dort war, also könne ich erst nächste Woche wieder hingehen. Dann versinke ich wieder in Schweigen. Aber der Kerl gibt nicht locker.
„Du bist ein Schneider, nicht wahr?“ fragt er mich.
„Ich bin Handlungsgehilfe,“ ist meine Antwort.
„Du handelst wohl mit alten Hadern,“ sagt er und weist auf meinen derangierten Anzug. Ein lautes Lachen geht los.
„Nun ja, jeder kann nicht so elegant herumlaufen wie du,“ gebe ich ihm zurück und habe jetzt die Lacher auf meiner Seite. „Der hat dir einen flek (Trumpf) gegeben,“ ruft ein junger Bursch meinem Widersacher zu. Ich habe in Ehren bestanden.