V.
Lofoten. — Mitternachtssonne. — Sonntag zur See. — Walfischdampfer. — Hammerfest. — Vogelriff. — Das Nordkap und seine Besteiger.
Gegen Mittag kam die südlichste der Lofoten zu Gesicht — die Insel Vaerö. Der Kapitän lenkte von der Kommandobrücke her unsere Aufmerksamkeit auf die den Fischerbooten oft so gefährliche Meeresströmung — Malström — zwischen Vaerö und der großen Insel Moskenaesö; die Strömung machte sich sogar dem Steuer unseres Kolossaldampfers bemerkbar.
Die malerischen, zum Teil noch schneebedeckten Gebirgsinseln der Lofoten und der Westeraalen ließen wir in mehrstündiger Fahrt rechts liegen. Das Küstengebirgspanorama wurde nachher von Stunde zu Stunde interessanter; bald passierten wir in der Nähe vorgelagerte Inselgruppen mit senkrecht abfallenden Felswänden, bald öffneten sich tief einschneidende Fjorde und mächtige schneebedeckte Gebirgszüge im Innern. Von unbeschreiblichem Reize war das Farbenspiel auf Wasser und Land.
Aber das Beste des Tages kam noch. Heute ging sie zum erstenmal nicht unter, die liebe Sonne; um Mitternacht stund sie als goldene Riesenscheibe noch 2° über dem Horizont und spiegelte ihr Bild im Meere, um sofort wieder den Kreislauf des kommenden Tages anzutreten. Der erhabene Moment wurde mit Musik und allgemeinem Umzug auf Deck und von den Amerikanern mit — Champagner gefeiert.
Mitternachtsonn auf den Bergen lag,
Blutrot anzuschauen.
Es war nicht Nacht, es war nicht Tag,
Es war ein seltsam Grauen.