Zum Schlusse postierten sich die 10 Mitglieder unserer Tischgesellschaft möglichst malerisch auf der Veranda und ließen sich, um ein bleibendes Andenken an den mehrwöchentlichen gemütlichen Verkehr auf der „Auguste Viktoria“ zu haben, photographieren. Der Zahlmeister des Schiffes — gar nicht unser Freund — hatte die Unverfrorenheit, sich uneingeladen der Gruppe auch einzuverleiben; wir rächten uns dadurch, daß wir beschlossen, den gutgenährten, etwas protzigen Herrn in Uniform auf unserm Bilde als — Hotelportier zu deklarieren.

Hotel Adventbay (Spitzbergen).

Die ganze Nacht — sie war ja taghell, flogen die Dampfbarkassen zwischen Schiff und Küste hin und her. Immer wieder zog’s einen ans Land, um nochmals die Wunder der nordischen Blütenwelt aus der Nähe zu sehen oder noch irgend etwas Interessantes zu erleben oder zu erbeuten.

Und an Bord herrschte die allerbeste Stimmung. Die sonnige Nacht war so lau, daß man ohne Überzieher auf Deck lustwandeln oder bequem ausgestreckt die wunderbare Szenerie genießen konnte. Mit überraschender Schärfe stachen die Konturen der Gebirge und Firnfelder gegen den blauen Himmel ab, und die auf der Uferlandschaft noch herumkrabbelnden Touristlein sah man in all’ ihren Bewegungen lächerlich deutlich. Der Kontrast zwischen der Eintagsfliege Mensch und den grandiosen Marksteinen der Ewigkeit ist mir kaum je so zum Bewußtsein gekommen.

Zu Bett mochte niemand; das erhebende Gefühl, glücklich am Endziel der Fahrt angelangt zu sein, und eine Flut ganz neuer, ungeahnter Eindrücke verscheuchte allen Schlaf. Im Biersalon wurde — ohne Respekt vor der Polizeistunde — stramm konzertiert; nach Mitternacht zog’s auch uns solide Naturkneiper noch zu Pschorr und belegten Brötchen, und wir erwischten als Zugemüse gerade noch den geistreichen Berliner-Walzer: „Ist denn kein Stuhl da, Stuhl da, Stuhl da für meine Hulda, Hulda, Hulda?“, der von der ganzen fröhlichen Gesellschaft — in allen Stimmlagen und Geschlechtern — gleichviel ob leer der Mund oder proviantvoll — mit der nötigen Inbrunst mitgesungen wurde.

Endlich gab’s Ruhe und Frieden; der größte Teil der Menschheit schlief, unbekümmert um die nachtschwärmenden Ausnahmen, und erwachte erst, als andern Morgens in aller Frühe die Ankerkette rasselte und unser Meerriese wieder zu atmen und sich zu recken begann.

X.