XI.
Ankunft in Tromsoe. — Besuch im Lappenlager. — Die Stadt Tromsoe. — Küstenlappen. — Musikabend an Bord. — Spaziergang beim Schein der Mitternachtssonne.
Gegen 8 Uhr fuhren wir in den eigentlichen Tromsoesund, welcher, zirka 500 Meter breit, die Insel mit der gleichnamigen Stadt von dem norwegischen Festlande trennt. Die Temperatur war eine so unerwartet hohe, sommerlich schwüle, daß sie einen schweißtriefenden Berliner Kommerzienrat zu dem Reime entflammte:
„Gestern in Spitzbergen,
Heute in Schwitzbergen“
Tromsoe ist eine Stadt von 6300 Einwohnern, mit lebhaftem Fisch-, Thran- und Pelzhandel; sie nimmt sich vom Sund her ganz stattlich aus. Die großen, der Fischereiindustrie dienenden Strandhäuser — Magazine, Dörranstalten, Schiffswerften etc. — stehen auf hohen Pfählen, die je nach Ebbe oder Flut mehr oder weniger im Wasser verschwinden. Man glaubt eine Pfahlbaustation vor sich zu haben. Aus dem Hauptstadtbilde, das im wesentlichen aus Holzhäusern besteht, springen einige Kirchen und als größere Bauten das neue Museum, das Gymnasium und ein Lehrerseminar in die Augen.
Der Abhang des Berges, an dessen Fuß Tromsoe liegt, ist teilweise mit Birken und Ebereschen bewachsen und in den größern Lichtungen des Dünen-Waldes liegen recht hübsche Villen mit gaisblattumrankten Altanen; zu oberst auf dem Berge ist der Abend-Korso von ganz Tromsoe — ein Vergnügungsgarten, in welchem nur alkoholfreie Getränke zu haben sind. Der würde bei uns leer stehen; in Norwegen aber bildet er den Mittelpunkt einer fröhlichen und — wie man mir sagte — niemals ins Rohe ausartenden Geselligkeit.
Sehr interessant ist das Leben im Hafen von Tromsoe; dort liegen außer Frachtdampfern und Seglern verschiedener Nationen namentlich auch die für den Fang von Walrossen, Robben und Walfischen ausgerüsteten Jagdschiffe. Mitten im Sund ankerte die weißglänzende Yacht des Fürsten von Monaco, die wohl mit dem Ertrag des prunkvollen Elendes in Monte Carlo erbaut und unterhalten wurde. Von unserm Schiffe aus bemerkten wir während der Einfahrt ein äußerst bewegtes Leben auf dem weithin sichtbaren Hauptplatze der Stadt — eine bunte Volksmenge, welche mit Fahnen und Blechmusik sich vorwärts schob. Wir vermuteten eine kirchliche Prozession; es handelte sich aber, wie wir nachher erfuhren — um ein Schützenfest. Also auch hier wie bei uns.