Im Rauchzimmer möchte man sich am liebsten gleich hinsetzen, die langen Beine ausstrecken und eine Havannah veraschen; auch dort ist wie in sämtlichen Räumen alles Große und Kleine auf die See abgestimmt; sogar die reizenden wandständigen Aschenbecher sind silberne Schiffsteile en miniature, und die Asche wird an kleinen niedlichen Schiffsschrauben abgestreift. Auch in das Arbeitszimmer des Kaisers wurden wir geführt; dort sahen wir eben zu, wie eine Amerikanerin von dem goldgeränderten kaiserlichen Briefpapier einen Bogen in ihre Tasche wandern ließ. In einem danebenliegenden Salon hört der Fürst täglich die Vorträge der mitreisenden Minister. Auch auf Deck hat er einen äußerst behaglich ausgestatteten Privatraum, der mit wissenschaftlicher Schiffslitteratur und allen möglichen Instrumenten vollgepfropft ist. Auf dem Tische lagen ausschließlich französische Zeitungen und Werke.
In die Schlafräume gelangten wir nicht; dagegen konnten wir von der Schiffstreppe aus in einige größere Kabinen einen Blick werfen und uns überzeugen, daß auch dort ganz ungewöhnlich große Dimensionen vorhanden sind mit behaglich schöner, nicht überladener Ausstattung. Licht und Luft tritt nicht wie bei den Kammern der Passagierdampfer durch runde Lucken, sog. Ochsenaugen, ein, sondern durch größere, mit in Messing gefaßtem Glas verschließbare viereckige Fenster.
Wunderbar sind die Apparate für den elektrischen Signaldienst und die Maschinen. Was der menschliche Geist je ersann, um eine Meerfahrt sicher und genußreich zu gestalten, das hat die deutsche Schiffsbaukunst sich für die Yacht ihres Kaisers zu nutze gemacht.
Entzückt von dem Geschauten kehrte nach und nach alles wieder zur „Auguste Viktoria“ zurück, die uns im Vergleich zur „Hohenzollern“, der wahrhaft Vornehmen, zuerst wie eine pompös ausgestattete Straßenriesendame vorkommen wollte. Die letzten, die an Bord stiegen — von den kaiserlichen Ruderern hergebracht — waren Graf v. Metternich, Herr Wanamaker und ein Hapag-Vertreter, Konsul Weber aus Hamburg, welche der Kaiser zu sich zum Thee geladen hatte.
Eben fuhr die glänzende Yacht des amerikanischen Krösus Gould an uns vorüber; die soll im Innern so raffiniert ausgestattet sein, daß der deutsche Kaiser, der sie besuchte, das Wort sprach: „So was habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen.“
Um 7 Uhr abends fuhren wir weg von Aalesund. Nochmals umkreisten wir zum Abschied die „Hohenzollern“; unsere Kapelle spielte das „Heil dir im Siegeskranz“; der Kaiser winkte vom Verdeck her, unser Kapitän salutierte, die Wimpel wurden grüßend aufgezogen; alle Welt rief Hurrah und schwenkte Hüte und Tücher, und wieder ging’s hinaus gegen die hohe See.
Nach einer halben Stunde sahen wir weit zurückliegend den Aalesund, mitten drin in der blauen Fläche einen grauen Punkt — die märchenhafte „Hohenzollern“.
Abends an der Tafel bildete natürlich das zuletzt Erlebte den Mittelpunkt des Gespräches, und als Kommerzienrat Schubart aus Berlin sich erhob und ein Hoch auf den gastfreundlichen deutschen Kaiser ausbrachte, erfüllten auch wir Nichtdeutsche gern und aus innerm Antrieb diese Pflicht der Dankbarkeit und beteiligten uns, wenn auch mit den anderen, unserem Herzen geläufigeren Worten, beim gemeinschaftlichen Gesange der Nationalhymne.