Die können gar seltsame Märchen erzählen, sagt die Mutter. – Und das Kind lächelt sanft und scheu, wie kranke Kinder zu lächeln pflegen.

Und sie führt es weiter in den Garten, den sie mit ihrer sorgenden Liebe für das Kind aufbaut.

Über goldflimmernde Kieswege zwischen grünen Rasenplätzen, die voll süßduftender Blumen sind, wandeln sie.

– Sieh, hier mache ich dir ein weiches Lager, mitten hinein in diese lieblichen Blumen, schau hin, wie sie dir winken und zunicken, sie plaudern mit dir und läuten mit ihren Glöcklein, und die Bienen summen dazu, und das ist ein gar feines Wiegenlied, und meinem Kindlein fallen die Augen zu und es schläft zwischen Sonnenlicht und Blumenduft einen festen Schlaf, und allerlei bunte Träume kommen zu ihm und machen es froh und glücklich.

Wenn du erwachst, spielen blaue und weiße und gelbe Schmetterlinge mit dir, und du lachst und greifst nach ihnen – aber sie lassen sich nicht fangen und tanzen weiter über die sonnige Wiese hin.

Nun möchtest du wohl auf dem weißen Stühlchen sitzen an dem weißen Tischchen? Dort schaust du zu dem plätschernden Brunnen hin, der gerade vor dir unter einer hängenden Weide liegt. Schau, wie der silberne Strahl zur Sonne steigt, und dann fällt er in tausend glitzernden Tropfen wieder in den kleinen See zurück. –

Ja ja, auch einen Schwan sollst du haben, einen ganz silberweißen mit einem langen Hals, der sich so schön biegt, ja ganz wie in deinem Märchenbuch, Liebling, und wenn du genau hinsiehst, hat er auch ein goldenes Krönchen auf seinem Köpfchen. Und im Weiher sollen auch die großen, weißen Blumen schwimmen, von denen ich dir die schöne Geschichte erzählt habe.

Aber nun scheint dir die liebe Sonne zu hell in die Äuglein. Komm dorthin zu dem schattigen Laubengang. Und sieh, wie die blühenden Rosen durch das weiße Gitterwerk herunterklettern. Rosen, wohin du schaust – rosa, ganz zarte, so zart wie die Wänglein meines Kindes.

Und sie kommen alle zu dir.

Leg dich auf dein Lager und höre, was sie dir erzählen. Ganz anderes sagen dir sie als das Gaisblatt dort am Eingang und auch anderes als die bunten Wiesenblumen. Höre nur hin und fühle, wie sie duften, und die Blättlein, die sie auf deine Hände fallen lassen, wie lind und sanft sind sie, wie der weichste Sammt in alten Königsschlössern. Und von Königinnen und Prinzessinen wissen sie die schönsten Geschichten, denn sie sind von vornehmer Art und sehen selbst aus, als seien sie verwunschene Königinnen und Märchenprinzessinen.