Du wandelst wie trunken von den Schauern wartender Ahnungen, die dich plötzlich über die bunte Bewegung des Lebens wegtragen zu einsamen Welten, deren Stimmen dir geheimnisvoll vertraut klingen, als sprächen sie die Sprache der letzten Tiefen deiner harrenden Seele, mit der sie in seltenen Stunden der großen Stille zu dir redet. Als löse sich aus dem schweren Schweigen derer, die hier ruhen, ein seltsames Tönen, das anderer Sphären Gesetze unterworfen, in neuen, nie gehörten Rhythmen dich umdrängt und dich wie mit einem Kranze schwerduftender Blüten umhängt.
Dies Tönen und dieses Rufen, wie nah glaubst du sie zu kennen.
Aus den fernsten Erinnerungen und schmerzlichsten Sehnsüchten deiner Nächte und Träume kommt ihr Klingen und Mahnen zu dir, und du bist wie ein Vogel, schwebend zwischen Himmel und Erde und weißt nicht, welcher Schwelle du zufliegen möchtest.
Alles Endliche wird klein vor diesem Brausen der tiefen Fernen, alle Fesseln der Erdenschwere sind aufgehoben, alle Wirklichkeit wird zu fliehendem Schein, und du schaust dem Leben mitten in seine Wahrheit.
Die Wahrheit, die dich und das All trägt, die allem Sein seinen heiligen Sinn gibt. Die deine Stille mit den Schmerzen der Sehnsucht reich macht und deine Träume mit seltsamen Hoffnungen erfüllt.
So mitten durch den klingenden Frühlingsrausch der bunten Erde gehst du in diesem Garten der Tränen wie in kühler Leere und Einsamkeit, in der die Seele des Alls Zwiesprache hält mit der deinen.
Erinnerungen umschweben dich, die aus den Gräbern blühen, die das Dunkel und Licht vergangener Zeiten dir neu entzünden und alle Flammen der Liebe erwecken und dich mit dem Duft aller seligen Geheimnisse überschauern, die dein Herz an jene binden, nach denen dein Auge noch immer sucht und zu denen deiner Sehnsucht weher Drang dich immer wieder lockt und ruft.
So greifbar nahe trägt dich der Pfeil der Erinnerung zu ihnen. Du siehst das geliebte Angesicht, die geliebte Stimme tönt wie eine Glocke in dein Herz, das Lächeln des Mundes und Leuchten des Auges kommt zu dir – einen seligen Augenblick lang – und wieder ist alles in der weiten Leere und Einsamkeit verweht.
So zwischen Nähe und Ferne, zwischen dem Heute und alle Ewigkeit wandelt dein erdgebundener Fuß auf den Wegen dieses Gartens, die dunkel sind von den Leiden und Schmerzen derer, die über sie hinschritten mit der flammenden Opferschale des Todes in den bebenden Händen. –
Und so lange du hier wandelst, bist du selbst von den Schatten des Todes umhangen.