Die helle Wirklichkeit deines Tages, die ruhende Sicherheit deines Wissens, die harten Grenzen deiner kreisenden Sinne entschweben dir, als ob sie dich nie gehalten, als ob du ihrer nie bedurft. Enthoben dir selbst, vom Grenzenlosen umfangen, weißt du ein anderes Wissen, begreifst du weitere Weiten und tiefere Tiefen als bisher.
Im Garten der Tränen lernst du ein neues Lächeln und die Unrast deiner Seele entwirrt sich in dem Schweigen der Leere und Einsamkeit, das dich hier wie ein Tempel umbaut.
In diesem Garten des Schweigens erfährst du Tieferes als draußen vor seinen Toren, erfaßt du heiliger die Erkenntnisse des Lebens, das an das Gesetz des Todes gebunden ist.
Zwischen die Ufer des Lebens und des Todes ist dieser Garten mitten hineingestellt.
Wo Menschen leben, blühen seine Gräber.
Und an das eherne Schweigen seiner Tore brandet und bricht sich das Tun und Harren, das Irren und Schaffen, das Wollen und Lassen der Menschen, der tanzende Reigen und glühende Rausch des brausenden Lebens, das an der heiligen Schwelle dieses Gartens sein Angesicht in den Staub neigt.
Der wissende Mensch aber, der dem Unbegrenzten des Lebens sein tiefstes Geheimnis abgerungen und das eherne Schweigen des Seins mit seinem starken Willen zur Erkenntnis überwältigt hat – er schuf sich die Liebe.
Diese unsterbliche Flamme, die die finstern Tore des Todes sprengt und über sie hin die goldenen Brücken baut, die zu den Fernen der Ewigkeit reichen.
So wurde der Garten der Tränen zum heiligen Hain seliger Begegnungen mit denen, die du mit der Tiefe der Liebe an dich bandest.
Je mehr es derer werden, die zu den fernen, unbekannten Ufern gingen, desto mehr lockt es deinen Fuß zu den Wegen des Schmerzes, die durch den Garten der Tränen führen.