Groß, breit, starkknochig steht er da wie aus Erz und Willen gegossen. Er wohnt einsam in dem Hause. Nur ein Diener und Gärtner sind um ihn.
Diese Märchenpracht da draußen wird plötzlich stiller unter seinem Blick. Es ist, als ob die Farben schweigender würden und alle Bewegung starrer und leiser. Das starke, trotzige Auge des Mannes aber wird einen Augenblick weicher und nimmt mit weitem Umblick alles Leben umher in seine wissende Welt. Erinnerungen zucken über sein altes Antlitz, das von den Runen der Erfahrung hart durchwühlt ist.
Aus fremden Fernen kommen wohlbekannte Laute zu ihm her. Die Farben draußen und die Düfte, das seltsame Geflatter und der Schrei des fremden Gevögels rührt an längst Gestorbenes in ihm, an etwas, das einst heißes Leben war, sein Leben. An etwas, das er nie vergessen will und dem er hier in bunten, lebenden Zeichen ein Denkmal schuf, ein tönendes Lied aus Linien und Farben, die wie Blitze durch seine Erinnerung zucken und Begrabenes aufleben lassen, wie Wellen an seiner Seele Ufer branden und alle Schmerzen aufwecken, die an den Gräbern seiner Erlebungen wachen.
Schmerzen, die nicht sterben dürfen, auf daß die Öde seiner letzten Zeit ihm selbst noch Leben scheine.
Vom Fenster kommt ein seltsamer kleiner, weicher, lockender Ton.
Der edelsteinleuchtende Pfau und der silberweiße mit dem zarten siebenzackigen Krönchen auf dem lieblichen Haupte fliegen auf.
Sie fliegen zu dem alten Manne und nehmen aus seiner weißen, müden Hand einen Leckerbissen, während er mit leiser Stimme seltsam fremde Laute murmelt. –
Sind es die fremden Namen einst geliebter Frauen – Namen mit dem schwermütigen Klange ferner Gestade?
Dann schließt der Mann das Fenster.
Er wendet sich stramm und gebieterisch seinem Diener zu und läßt seinen Traum in seinem seltsamen Garten weiterblühen.