In meinem Garten rauscht ein tiefer Brunnen,
Und Unerschöpfliches singt mir sein Sang.
Da kann ich lauschen und immer lauschen
Viel Zeiten lang.
Aus allen Weiten tönen die Stimmen,
Aus jeder Ferne kommt reich ein Klang,
Und ohne Müde mit pochendem Herzen
Lausch ich dem Sang.

Junger Tag

Junger Tag am frühen Morgen,
Lindes Licht und tiefe Stille –
Und des Lebens starker Wille
Hebt ganz leise sein Schwingen.
Tief in Andacht lauscht die Erde
Und erwachend stehn all Dinge,
Wie von einem goldnen Ringe
Heißer Sehnsucht eng umschlungen.

Abend

Tief Gold und heißer Purpur liegt vor des Abends Tor,
Und königlich schreitet er über die Schwelle.
Des Tages Kraft verebbt leis Well um Welle.
Aus tiefen Dämmerungen lugt sanft der Traum hervor.
Der Abend trägt eine goldne Schale in seiner Hand,
Streut d'raus des Friedens weiße Perlen weit über das Land.

Frühling

Erstes Licht und erstes Blühen,
Sanften Windes leises Weh'n –
Wie die jungen Farben glühen,
Die mit mir am Wege gehn.
Zartes Blau hoch in den Lüften,
Goldengrün der Erde Schoß,
Und von Liedern und von Düften
Wird die Welt so weit und groß.

Sommerhöhe

Es schläft der Gott, der mit dem Finger
Seiner Hand die Erde am Leben hält.
Und alles liegt wie festgebunden und atmet kaum.
Das Licht stößt wie ein Schwert scharf aus der Scheide,
Und Schatten stehen erstarrt im heißen Raum,
In dem sich nichts bewegt als nur das Leuchten,
Das von den satten Farben zur Erde fällt.

Mein Garten ist mein Königreich