Ja, der schöne Apfelbaum ist der König dieses Gartens.

Wie sind seine Äste voll roter, lachender Früchte, Ast auf Ast ab sitzen sie einander gegenüber, vorsichtig sich gegenseitig Platz machend, daß keiner den andern stört, immer größer und schöner zu werden in dem heißen Sonnenbade. Und wenn der Wind kommt, ducken sie sich zusammen, daß ja keiner vorzeitig abfalle, damit die gütige Frau, die sich ihrer so freut, nicht traurig wird um sie, wenn sie zu früh im Grase liegen.

Man kann sie fast zählen, so deutlich sitzen sie an den Zweigen, und ich glaube, die gute Frau hat sie auch gezählt und die Äpfel machen ihr diese Freude so recht bequem.

Da sind auch noch einige Büsche am Zaun entlang. Rote Beeren leuchten im grünen Laub, und auch diese sieht man so deutlich, weil der Raum so klein und der Büsche so wenige sind; so sieht es aber viel reicher und üppiger aus als im stolzen Garten nebenan, wo man vor lauter Gebüsch kaum zu den Beeren schaut.

Und all die vielen kleinen Beete, reinlich und von guter Hand liebevoll behandelt, stehen sie da und halten die schönsten Dinge feil, daß einem ganz leckerhaft zu Sinne wird.

Salat und Möhren, Zwiebeln und Lauch, duftende Kräuter die Menge, alles eilt sich und wächst und gedeiht und steht voll fröhlichem Lachen im Sonnenblust und freut sich auf den Augenblick, da die gute Frau herein kommt; und dann lachen sie sich gegenseitig an, die gute Frau und all das Grünzeug umher, sie kennen einander gut, hat sie doch täglich bei ihnen an der Erde gekniet und sie sorgsam und linde gehütet vor allen Übeln, die Unkraut und feindliches Getier ihnen zufügen wollten. Und am Zaun entlang laufen geschäftig die roten Blüten der Bohnen und die weißen der Erbsen, hinauf und hinunter, daß der Zaun fast wachsen möchte, um ihnen Raum zu machen und der guten Frau eine reiche Ernte zu bringen. Auf und ab laufen sie und fangen einander und spielen mit einander, so daß kaum mehr eines der Gewinde weiß, ob dies seine eigenen Blüten sind oder die des andern. Und in den vier Winkeln des Gartens stehen hoch und stolz vier Sonnenblumenstöcke; mit ihren großen, tiefen Sammetaugen blicken sie über den Zaun hinaus in die Welt umher und träumen von der Ferne und der Sehnsucht und erzählen denen unten, die ihnen kaum an die Knie reichen, die Märchen, die sie da draußen erlauschen.

Und so sauber und fein die gute Frau ihren Garten hält, etliche Ecklein stehen doch voll süßen Unkrauts. Sie tut, als sähe sie es nicht und freut sich im stillen seiner Angst, wenn sie an ihm vorübergeht und es verstohlen zu ihr hinblickt, ob sie ihm wohl noch einen Tag des fröhlichen Lebens im sonnenwarmen Garten lassen wird. Aber es braucht keine Angst zu haben, all dies unordentliche bunte Geblüh ist der guten Frau allerheimlichste Lust. Sie darf es all das andere liebe Gezeug ja nicht merken lassen, das da so treu und fromm wächst und gedeiht zu ihrem täglichen Gebrauch – aber diese Winkel voll unnützer Buntheit liebt sie mit einer ganz besonderen Liebe; und ich glaube, wenn es nicht von selbst so üppig immer wieder heranwüchse aus der lachenden Erde, würde sie heimlich einigen Samen der Wildlinge ausstreuen aber ganz heimlich, daß es der Apfelbaum und all die übrigen braven Dinge nicht wissen würden, denn sie könnten ihr böse werden, und plötzlich aufhören, für sie zu wachsen und Früchte zu tragen.

Ach da ist ja auch noch ein kleines, ganz kleines Kartoffelbeet mit leuchtenden Lilablüten und kleinen gelben Flämmchen darin, und über den Zaun hängt ein schwerer Vorhang blühenden Goldregens aus dem Nachbargarten herein. Und es ist ein Gesumm und Gebrumm von Bienen und Hummeln zwischen all dem Grünen und Blühen.

Die schwebenden Farben der Schmetterlinge spielen über dem blühenden Gewirr und sehen selbst aus wie Blüten, die sich vom Stengel lösten. Der sanfte Hauch ihrer wundersam leichten Bewegungen ist wie das letzte Ausatmen der sommerlichen Schönheitslust. Ringsum zwitschert es und flattert es von jungen Vogelstimmen und schnellen Vogelflügeln.

Und in der Dämmerung sitzt eine Nachtigall im Nebengarten in den hohen Bäumen und singt über all die Gärten hin ihre göttlichen Gesänge, und da wird es überall still, und ein tiefes, seliges Schweigen liegt auf Baum und Strauch und allem Blühen, und der kleine Garten hat seinen Teil an diesem Feste wie all die andern umher.