Aber wenn sie nun hinsinkt auf das enge Bänklein unter dem abenddunklen Apfelbaum, müde von des Tages Last und Lebens Schwere, da löst sich etwas auf in ihr, und es wird frei und leicht und schwebend in ihrer Seele, und es ist wie ein Lied in ihr, ein Lied, das zum Himmel reicht und die Erde küßt und wie ein Licht mit ihr geht, wenn sie zu ihrem ärmlichen Heim zurückkehrt. –
Nein die gute Frau ist nicht arm.
Und der kleine Garten auch nicht.
Wem ein Garten gegeben ist, ist immer reich.
Denn der kleinste Garten kann voll des schwersten Segens sein – je nach dem Herzen, der sein hütet.
Der Garten der jungen Frau
All die Jahre her lag er ernst und schweigsam durch Sommer und Herbst im grünen Licht seiner hohen Bäume und weiter Rasenflächen. Nur die Nuancen seines Grüns brachten etwas Abwechslung in die feierliche Stille umher.
Das Haus mit seinem altersdunklen Anstrich, mit den dunkelgrünen altmodischen Fensterläden, die oft monatelang fest verschlossen blieben, stand wie ein Blinder mitten im grünen Meere dieses ernsten Gartens. Eine schwerfällige Mauer, von grüngrauen Moosen umflochten schloß ihn zur Straße hin ab, kein neugieriger Blick, kein fröhliches Lachen der Vorübergehenden brachte Schall und Laune in diese webende Einsamkeit.
Ein alter Gärtner schor den Rasen, daß er leuchtend und üppig im Sonnenschein prangte und seine goldgrüne Herrlichkeit wie ein sammtener Teppich den hochragenden Bäumen zu Füßen lag. Dunkle Cypressen standen wie eine Wand gegen das Licht, ohne es anzunehmen und weiterzugeben.
Die schweren Zweige der Edeltannen ließen ihr blaugrünes Gehänge in stolzer Formvollendung um sich kreisen. Buchen und Ahorn gaben den stillen Wegen ein wenig Spiel mit ihren beweglichen Schattenwellen.