Als Sie mir diese Uhr schenkten, sagten Sie: »Die paßt so gut zu Ihnen: ein Fundament altererbten Geschmacks, der von vielen Generationen herstammt; die Drachen, der Hang zum Absonderlichen, der Zug zum Unbegreiflichen, Mystischen, der in uns erwacht, je mehr wir sehen, daß das Exakte, Vernünftige, Realistische doch nichts erklärt und schließlich immer wieder alles mit einem großen Fragezeichen endet – und als Spitze des ganzen Gebäudes der kleine tapfere Hahn, der nach Aufklärung und Freiheit quand même ruft, der viel graue, trübe Tage erlebt hat und zu sagen scheint, nach all dem Krähen müßte die Sonne doch endlich aufgehen.«

Ja, das alles und noch so vieles mehr steht auf den letzten Blättern des großen Bilderbuchs!

Mein Bruder und ich saßen in dem New Yorker Boarding-House-Zimmer unter dem Weihnachtsbaum, hielten uns schweigend an der Hand und dachten vergangener Zeiten. Ta löschte eins nach dem andern die Lichtchen aus, die herabgebrannt waren – ganz wie an anderen Weihnachtsabenden. Manchmal fingen ein paar grüne Tannennadeln Feuer, knisterten und glühten, und ein harziger Waldduft zog durchs Zimmer – ja, ganz wie an allen Weihnachtsabenden! –


16.

New York, 26. Dezember 1899.

Gestern, lieber Freund, ward ich unterbrochen und mußte meinen Brief schließen, ohne Ihnen unsern ganzen Weihnachtsabend geschildert zu haben. Denn er war mit unserm kleinen Aufbau nicht zu Ende, sondern wir waren noch zur Bescherung im Hause unseres Konsuls eingeladen.

Mit allerhand Paketen beladen, fuhren wir auf der Hochbahn dorthin.

Nach längerem, vergeblichen Klingeln öffnete uns der Konsul selbst die Haustür und entschuldigte sich, »der Sam sei wohl beim Tischdecken«. Dann führte er uns in sein kleines Arbeitszimmer, wo wir einige deutsche Herren trafen, darunter auch den Generalkonsul mit seinem herzerfreuenden, ansteckenden Lachen. Der Konsul ist vor einigen Monaten hierher ernannt worden, und seine Frau ist ihm erst vor ein paar Tagen aus ihrer Schwarzwaldheimat mit ihren zwei kleinen Kindern nachgereist. Es ist ein rührend deutscher Zug, daß sie sich, selbst kaum eingerichtet, zu diesem Abend gleich einige Landsleute eingeladen haben, die ihn sonst allein mit ihrem Heimweh verlebt hätten.