So zwecklos war wie die Well'n.«
26.
New York, März 1900.
Lieber Freund, es gibt doch komische kleine Züge in den Menschen! Wie ein Kreuzfahrer ist Hofer aus seiner fernen Diözese ausgezogen. In elendem Boot auf dem großen Kanal und in knarrendem Karren auf durchlöcherten Wegen ist er zuerst nach Peking gefahren, um vor kommendem Unheil zu warnen; und als man dort nicht auf ihn hört, zieht er weiter über Amerika nach Europa, um da seine Stimme zu erheben. Selbstsüchtige Zwecke sprechen dabei nicht mit, auch nicht Angst um eigene Sicherheit – er will von vielen Unschuldigen eine große Gefahr abwenden, verhindern, daß die Stecklinge westlicher Zivilisation, die so mühsam im fernen Osten gepflanzt wurden, in einer großen Katastrophe vernichtet werden, er will die »Pekinger Taubblinden« um jeden Preis retten.
Aber das Triviale wohnt nahe beim Sublimen, und die Beschäftigung mit der Kirche schärft den Sinn fürs Praktische. Kleine Vorteile soll man auch auf dem Wege zu den höchsten Aufgaben mitnehmen. Während seiner New Yorker Rasttage hat Hofer den ihm gänzlich unbekannten Charles W. O'Doyle besucht und ihn auf Grund des chinesischen Ursprungs seiner Millionen für die Missionshäuser angebettelt. O'Doyle hat ihm eine bedeutende Summe gegeben, denn diesem großen Mann ist sein Katholizismus ein Luxusgegenstand, den er sich etwas kosten läßt. Er und mehr noch die Prinzeß von Armenfelde schmücken sich mit dieser Religion, die ihnen wie ein Symbol der Vornehmheit erscheint, und der sie unter ihren Landsleuten viel Bekanntschaften in höheren sozialen Kreisen verdanken, die sie ohnedem schwerlich je gemacht hätten. In den Vereinigten Staaten ist der Katholizismus très-bien porté, wie Madame Baltykoff neulich sagt.
Das Komischste aber ist, daß Hofers Appell an O'Doyles Wohltätigkeit und dessen Spürsinn für das Sensationelle in Geschäften mir eine große Bilderbestellung eingetragen haben!
O'Doyle und seine Tochter waren eben bei mir. Er teilte mir gleich Hofers Besuch mit und ließ durchblicken, daß die Summe, die er ihm für die Mission angewiesen habe, allein schon die Reise wert sei. Dann sagte er, er glaube, Hofer habe recht mit seinen schlimmen Prophezeiungen; sie stimmten überein mit den Voraussagungen seiner Hongkonger Geschäftsfreunde.
»Um China wird sich in diesem Sommer alles drehen,« sagte O'Doyle. »Ich täusche mich selten, wenn ich mal solche Behauptungen aufstelle. Sollten Sie Geld in China haben, rat ich jetzt zu verkaufen, können später billig wieder kaufen – ganzes Geschäftsgeheimnis in den paar Worten: billig kaufen, hoch verkaufen. Zu merkwürdig, daß immer noch Menschen durchaus umgekehrt operieren wollen.«
Nachdem ich ihm versichert, daß ich weder in China noch anderswo Geld habe, fuhr er fort: »Gehen diesen Sommer in unser Cottage nach Newport. Baue dort kleinen Pavillon für Nachmittagstee. Habe chinesischen Pagodenstil gewählt, ausgeschweifte Dächer, bunte Kacheln, viele Drachen, kleine Glöckchen; habe mich dazu entschlossen, weil dies Jahr, wie gesagt, nur von China gesprochen werden wird. Teepagode wird a great success sein! Brauche zur inneren Dekoration chinesische Ansichten; wollen Sie sie malen?«