Die Sage von seinem unvergleichlichen Spiel erhielt sich aber bis auf den heutigen Tag, und so berühmt auch wenige Jahre später der deutsche Zigeuner Mattinovich wurde, der mit mangelhafter Bogenführung, und ungeregeltem Fingersatz Zigeunerweisen, sowie Paganinische Etüden hinreißend vortrug und mit selten markigem Tone spielte, so nannten doch Alle, denen je die Geige des Anthony Czermak geklungen, den Mattinovich nur einen Vasallen jenes Zauberers. Die düster leidenschaftlichen Melodien jenes verschollenen Geigers sind noch heute unter den Zigeunerbanden in und um Raab die Lieblingsnoten, und wenn sie erklingen, reißen sie unaufhaltsam die Herzen der Hörer in ein Meer von schmerzlicher Lust und süßem Weh. Erzählte man sich doch, daß eine Melodie Czermaks, die während der Anwesenheit des Königs der Pianisten, Franz Liszt, von der Bande des berühmten Patikarus Ferko, an einem Festabend ihm zu Ehren in Pesth gespielt wurde, den Gefeierten so mächtig ergriffen, daß er zur Stelle ein Clavier herbeitragen ließ, und in tiefer Erregung die Sturmeswellen seines Spiels mit jenen unendlich klagenden Tönen mischte. – War es vielleicht die Melodie zu jenem Liede, das die schöne Czinka einst im Walde von Zircz gesungen?

»O meine müden Füße, ihr müßt tanzen
In bunten Schuhen
Und möchtet lieber tief
Im Boden ruhen.
»O meine müden Augen, ihr müßt blitzen
Im Strahl der Kerzen
Und möchtet lieber im Dunkeln
Schlafen von euren Schmerzen.«

Druck von G. Pätz in Naumburg.


Hinweise zur Transkription

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.

Darstellung abweichender Schriftarten: gesperrt, Antiqua, fett.

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "Bewunderung" – "Bewundrung", "erwiderte" – "erwiederte", "sehen" – "sehn", "Tanzsääle" – "Tanzsäle",

mit folgenden Ausnahmen,

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