»Laß ab von mir, Weib!«

»Ich sehne mich, daß er komme – hörst Du es, und weißt Du auch warum? Weil ich ihm jetzt sagen kann, daß ich ihm nicht mehr folgen darf weil ich – Dich liebe, Alfred!« –

Er stieß einen Schrei des Entzückens aus und riß sie an sich. Sie umschlang ihn mit beiden Armen. Da schwirrte ein Geigenton durch die Luft – kam er aus den Wolken – vom Garten herauf – aus dem Seitenzimmer – vom Balcon her? – Der seltsame Laut wiederholte sich – der Ton klang wie aus weiter Ferne – er schwoll leise an und eine langsame schauerlich klagende Melodie zog daher, wie von unseligen Geistern gesungen.

»Das ist Anthony's Geige!« flüsterte Czinka todtenbleich, »hörst Du, er spielt die Siralmas nota

»Der tolle Geisterspuk soll nun enden!« rief der Graf heftig. »Jetzt ruh' ich nicht eher bis ich ihn gefunden! Hier an dieser Stelle magst Du zwischen uns Beiden wählen – hier entscheide sich unser Aller Geschick!«

Mit diesen Worten eilte er in das anstoßende Gemach, auf den Balcon, und dann hinaus. Die Töne verstummten. – –

Haus und Garten wurden durchsucht – keine Spur des Geigenspielers fand sich. – Es mochte wohl eine Stunde verflossen sein ehe der Graf, unmuthig und erbittert, in das Gemach seiner Gemahlin zurückkehrte. – Ein furchtbarer Schrei rief die entsetzte Dienerschaft gleich darauf herbei, der Graf Saldern lag besinnungslos ausgestreckt neben der Leiche Czinka's. – Einen kleinen Dolch fand man bis an den äußerst kunstvoll gezierten Griff in ihrem Herzen.

Welche Hand hatte den sichern Stoß geführt?


Anthony Czermak, der tolle Geiger, wie ihn die Zigeuner selber nannten, tauchte im Jahre 1818 etwa, plötzlich wieder in Pesth auf. Eine Zigeunerbande spielte in dem berühmten Zrynischen Kaffeehause ungarische Weisen, vor einer dichtgedrängten Zuhörermenge. Da stürzte ein halb nackter, wild blickender Bettler herein, entriß dem Vorgeiger seine Geige, setzte den Bogen an und spielte so hinreißend, so dämonisch, so gewaltig, daß ein Beifallssturm losbrach wie er in den Mauern dieses Saales noch nie gebraust. Mit grellem Gelächter warf der Fremde aber die Geige zu Boden und verschwand. – »Das war Anthony Czermak,« ging es von Lippe zu Lippe. Später erschien er, fast spukhaft, bald hier, bald dort, doch nur wo Zigeunerbanden spielten, und überall wirkte sein Bogen zauberhaft. Er erging sich meistens in freien Phantasien, in die er dann ergreifend ungarische Melodien einzuweben pflegte. Zuletzt will man ihn in Prag gesehen haben, wo endlich diese wunderliche und düstere Erscheinung hinter den Mauern eines Klosters verschwunden sein soll. – –