Aber jetzt war sie schon ein Mädchen. Und es blieb das Gleiche. Nie hörte sie zanken, oder ein rohes Wort. Aber es war da, wie die Gewißheit, saß gleich einem Schiefer in schmerzender Wunde. Sie wußte und schwieg. Niemand erfuhr ihr Geheimnis.
Sie litt.
Aber heute geschah Schreckliches. Sie saß mit Mama. Diese am Sofa, sie selbst ihr vis-à-vis vor dem Spiegel, mit dem Rücken gegen die Thür.
Es begann zu dämmern. Beide schwiegen. Da verstanden sie sich am besten. Sie hätte so gerne ihre Arme um Mutters Hals geschlungen, in heißen Küssen flüsternd: Du arme, arme Mami! Aber es ging nicht. So durfte sie mit der, die ihr das Leben geschenkt, nicht sprechen. Wie hätte sie der Tochter klagen dürfen — — —
Also schwiegen beide, nur ihr Empfinden sickerte in feinen Wellen durch den Raum, vermischte sich, während die Lippen geschlossen blieben.
— — — — — — — — — —
Es läutete.
Der Papa! dachten beide, aber niemand sprach es aus.
Und plötzlich fühlten sie eine schwere Müde in den Gliedern. Sie wollten ihm entgegen, ohne es zu können. Es war etwas in ihnen, wie im Kinde, dem vor Schlaf die Lider zufallen — schwer — müd — — —
Der Papa lachte, er ging durch die Zimmer. Endlich kam er ins Nebengemach. Er schäckerte mit dem Stubenmädchen, das Licht anzünden wollte.