Volkssänger, Auflauf.

Es ist Feierabend. Sie geht mit Vatern und Muttern zu den Volkssängern. Sie ist ein sehr braves Mädchen, eigentlich ganz altmodisch erzogen.

In der Atmosphäre von Bier, Schweiß und Cigarrendampf lassen sie sich an einem Tische nieder. Die Kellner schreien, die Frauen machen dumme, possierliche Affengesichtchen auf die Männer, die wie Faune dreinschauen.

Vorne auf der Bühne steht einer, der sich zu lange Arme und Beine gemacht. Darüber lachen die Leute. Er singt, wie niemand singt; springt, wie niemand springt — darüber lachen die Leute.

Sie sieht alle diese Gesichter an. Schrecklich! Es liegt etwas Gemeines, Rohes in dieser Freude. Alle werden häßlich. Plötzlich fällt ihr ein, wie süß es wäre, wenn alle Menschen schön sein würden. Und wie komisch es sei, daß die Menschen sich extra bemühen, häßlich und gemein zu werden.

Wären doch alle schön! denkt sie. Dann erinnert sie sich der kleinen, bleichen Martha, die immer den blinden Peter zur Kirche führt, während die Gassenbuben sie auslachen. Die ist so schön. Nein! Sie hat ein Stumpfnäschen und kleine, grüne Augen. Sie ist häßlich. Aber doch schön. Ihre Seele leuchtet aus ihr heraus.

Die kleine Martha, die schöne Martha — taratahi, taho! Tschin-tschin.

Alles applaudiert!

Endlich eine neue Nummer!

Wie die Frauen würdelos sind! Wie sie sich mit Blicken anbieten. Ihr kommen die Thränen in die Augen: wären doch alle schön! Die Frauen wenigstens — so schön wie die kleine Martha.