Plötzlich weiß sie es ganz sicher in sich, vielsicher: sie hat ja die Mutter so lieb. Es ist ja alles nicht wahr, sie hat die Mama lieb.
Und sie reckt sich zu ihr empor, um ihr ins Ohr zu flüstern: „Mami!“
Sie stockt. Sie wollte sagen: wirst du mich immer so lieb haben wie heute?
Aber sie schämt sich und getraut sich nicht. Unten hat sie aber unglückseligerweise mit den Füßen auf Mamas schönes Kleid getreten, daß es knackt. Da trifft sie ein strafender Blick und sie muß hinaus.
Ihre Seele aber weint. Sie kann es nicht begreifen. Wegen dieses dummen Kleides durfte sie nicht bei ihr bleiben.
Und nun sieht sie immer diesen zürnenden Blick. Ach!
Wo muß nur der Papi sein? Der ist noch im Comptoir und rechnet. Rechnet und zählt den ganzen Tag, daß ihm davon die Haare vom Kopfe fielen. Wenn nur der Papi da wäre, der hat wenigstens kein schönes Kleid an.
Doch der Papi hat zu arbeiten und Mama empfängt Gäste. Sie jedoch muß mit der Gouvernante im kahlen Mädchenzimmer essen.
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Es ist heute schon so was Warmes, Trauriges in ihr. So, als ob sie ganz verlassen während des Regens im Freien stünde und um Obdach bettelte. Sie geht zu Fräulein Anna, welches in der Ecke sitzend schreibt.