Innerlich fühlt er das Unabwendbar-Tragische in diesem Weib-Kind.
Dann wendet er sich zur ältesten, seine sonst herrische Stimme wird förmlich schüchtern und eine Nuance leiser als sonst. Er flüstert fast: „Da wirst du immer unglücklich sein, mein Kind.“
„Ja, das weiß ich,“ sagt Elsa herb und lächelt dazu, als hätte man ihr das Allersüßeste verheißen.
Sie sieht vor sich hinaus, weit, weit in Fernen, wo es keine Eltern, noch Geschwister giebt.
Sie blickt ins Land der stolzesten Verheißung. Alles ist still. Bertha dreht ein Sacktuch um den Daumen, immer und immer wieder.
Papas Augen sind feucht: wie hatte ihn dies Kind da erraten! In alle seine verborgensten Verschwiegenheiten geschaut. Ein großer, edler Ehrgeiz, der lag auch in seinem Blute!
Hjah! den hatte sie von ihm geerbt. Er sah auf dieses halbwüchsige Mädchen in seiner schlanken Kraft, mit dem trotzigen Zug um den Mund. Ihm ward wehe. Wie hatte er gestrebt, gesehnt, gewollt und viel erreicht, aber dennoch — nicht alles. Er wußte — die Erfüllung war er noch nicht.
Und dort stand die schöne, bleiche Mutter. Ihr Blick glitt schamhaft über die Bilder an den Wänden, die ihre Hand gemalt. Man sagte, sie sei genial — allein es war doch noch nicht das — das — Genie! Ganz nahe daran, wie ein Ansetzen dazu, wie eine große Sehnsucht danach, aber nicht es selbst.
Und dieser beiden Sehnsüchte hatte dies Kind bekommen.
Nun sahen sie einander an und verstanden plötzlich ihre schamhaft heimlichsten Hoffnungen, welche nie die Lippen gestanden.