Dann sah sie mit dem Blick ihrer Eltern auf ihren kleinen Knaben, mit jenem Blick voll flehendem Herzeleid: „bist du es endlich? Bist du die Erlösung? O künde mir es, bevor ich sterbe!“
Tatjana.
Schon als ganz kleines Kind war sie anders als die übrigen. Sie schien gesund und blühend, hatte auch volle, runde Kinderbacken. Aber immer kam ihr junger Organismus bei geringsten, fast unbeachteten Anlässen zu Erschütterungen, die von Verdauungsstörungen und heftigen Krämpfen im Unterleib gefolgt waren. Dann legte man sie zu Bett und sie träumte.
Für sie war Kranksein und im Bette liegen der Inbegriff des Schönsten.
Dann starrte sie vor sich hin, dachte, sie läge in einem gläsernen Sarge, der weit hinausschwämme ins ferne Meer, wo nichts zu erblicken als sie und weite Wolken und unendliche Wässer.
Dieses Lieblingsbild ihrer Kinderphantasie war charakteristisch für ihr Wesen. Selbst bewegungslos aus dem kleinsten Raum in das Unendliche hinauszuträumen. In ihm, der Ausgeburt eines kaum dreijährigen Gehirnes, lag schon der Keim für ihr ganzes künftiges Werden.