„Ja,“ sprach Tatjana. Und eine königliche Würde lag in Wort und Geberde.

Damals, als sie ihnen gestehen konnte, daß sie das Schicksal reif zum Leben befunden hatte.

Und allen war heilig und schicksalsbang über das, was kommen mußte und vor ihnen lag, noch in Dunkelheiten verhüllt.

Aber sonst gab es nichts Gemeinsames zwischen ihnen und ihr.

Das Geschehen rollte der Zeit entlang. Die einen heirateten, andere studierten, andere mußten Stellen zu ihrem Lebensunterhalte suchen. Das äußerliche Leben ist so schwer und drängt fast alle in denselben Weg nach Brot.

Aber es giebt noch ein innerliches Leben; dies lebte Tatjana.

Gerade als ihre Eltern für sie einen soliden Herrn gefunden hatten, der pensionsfähig war, weder trank noch Karten spielte, noch sich in schlechter Gesellschaft umhertrieb, erklärte Tatjana, sie wolle ins Kloster.

Man denke den Jammer ihrer Eltern! Sie war mit diesem Herrn so gut als verlobt. Während sie bisher mit den beiden die Abende verplaudern mußte, hatte sie nun diesem Herrn Antworten zu geben, auf all das Verschiedene, was er sie fragte und worin er manchmal die Würze belehrender Wahrheiten einstreute. Aber Tatjana hörte nicht darauf. Wenn sie nun auch wohlerzogen genug war, in anmutsvoller Haltung scheinbar lauschend hinzuhorchen, so blieb ihre Seele doch zusammengekauert und träumte ins Weite.

Man zog über die Geistlichkeit los, die die Seelen verführe und von allem praktischen abwende. Sie solle sagen, wessen Einflüsterungen sie erlegen sei. Wer doch der intrigante Priester wäre, der sie lehre, dem Willen ihrer Eltern entgegen zu sein. Wann? wo? man ließ sie doch nie allein.

Tatjana verstand nicht einmal, was Vater und Mutter meinten. Ihr hatte niemand zugeredet. Ganz zufällig las sie in einem Zeitungsfetzchen, worin eine Anstoßschnur, die sie gekauft hatte, eingewickelt war, von einem Kloster, worin das Sprechen verboten sei. Die ärgsten Demütigungen des Stolzes würden dort den einzelnen auferlegt, obwohl zumeist die Erbinnen alter Adelsgeschlechter darin aufgenommen wären. So mußten sie z. B. im Freien Esel oder Gänse hüten. Tatjanas Seele prägten sich nur die ersten Zellen ein: nicht sprechen, allein sein. Auf einer weiten, weiten Wiese, ohne Meer zwar, aber den Himmel über sich. Und ist das nicht der tiefste, geheimnisvollste Ocean, größer als alle Seen der Erde, mit leuchtenden Welten, die darin herumschwimmen, weit hinaus über die weißen Korallenstöcke der Milchstraßen — — —