Ihr wurde weit und wohl, als wäre ihr ganzer Leib ein Gebet an das All.

Aber die Eltern drangen auf Gehorsam, schalten über ihre Hyperreligiosität in Unerkenntnis des heimlichen Grundes ihrer Seelensehnsucht.

So wurde sie, entgegen ihrem Wunsche, dieses Herrn Gemahlin.

Ihr Herz hatte keine Liebesknospen angesetzt, denn ihrem Leben war niemand erschienen, der der weckende Frühling ihrer Seele hätte sein können. Zu Liebschaften war sie aber zu ernst und tief.

Doch wurde sie ihrem Gemahl eine mustervolle Gattin. Und mehr verlangte man nicht von ihr, als dieses Aeußerliche. Mehr hätte sie auch nicht zu geben gehabt. Im Innern aber blieb sie die Gleiche. Nur war der Ocean nun das Leben, das tiefer und unfaßbarer als alle Himmel ist. Und darin schwamm sie im Netze ihres engen Geschicks, einsam, ganz allein umher zwischen den dräuenden Gefahren böser Erfahrungen, die wie Meeresungeheuer ihren Untergang verlangten. Darin träumte sie — im Ocean des Lebens allein.

Und alles äußere Geschehen wurde ihrem innersten Wesen nach ein träumendes Gefühl, wie bei anderen ein Gedanke, oder noch anderen eine That.

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„Und so soll das Leben aus sein, weil sie ihr’s verpfuscht haben? Das eine Leben!!“ rief die resolute Brigitta, welche der Geschichte zugehört und die immer oppositionslustig war.

„Aus? verpfuscht?“ sagte Agnes, während sie sinnend vor sich hinstarrte. „Aber es geht nicht zu verderben.“

„Wieso denn nicht?“ sprach Brigitta, die Specialistin für Eltern- und Erzieherkritik! „Wenn alles gegen ihren Willen ging!“