Der Schulbub, dachte sie, ihn böse anblickend.

Aber am anderen Tage hielt er ein Briefchen, welches plötzlich in ihre Hände glitt. Das gefiel ihr. Es war etwas so Heimliches, Verbotenes dabei.

Ein Liebesbrief! Gott, das mußte schön sein!

Vielleicht gar ein Gedicht: Brust — Lust, Herz — Schmerz!

Etwas regte sich in ihr, das Ding da wegzuschleudern. —

Sie schwebte fast die Treppe empor. Es war, als hätte sie neue, kräftigere Muskeln bekommen.

Oben klingelte sie. Das Stubenmädchen öffnete. Die Mama kam zufällig auch heraus.

„Was hast du denn, du siehst ganz sonderbar aus?“

„Ich? o gar nichts,“ sagte sie in halb keckem, halb wegwerfenden Ton. In sich meinte sie, nun sei sie etwas, weil sie einen Brief von einem „Herrn“ bekam.