Die Tante wurde ernst und nachdenklich.
„Bitte, sag mir, wie ihr es macht, daß ihr so glücklich seid!... Daß du ihn so glücklich machst!“
Die Tante sah Else in die Augen: „Du kleine Psychologin, das letzte Wort merke dir für dein zukünftiges Weibsdasein. Es ist der Frau möglich, ihren Gatten glücklich zu machen. Sie muß nur ein bißchen die Augen offen halten und guten Willen haben.“
Danach dachte sie wie traumversunken nach und sagte endlich: „Nur daß wir zwei eine gute Ehe sind, das danke ich eigentlich meiner guten, klugen Mutter.
Schau dir einmal deine Freundinnen an. Sind nicht gerade jene, die nicht oberflächlich sind, voll seltsamer Träume über den künftigen Gatten? Scheint er ihnen nicht wie ein Ideal, das aus dem Himmel zu ihnen niedersteigt? Wenn sie sich mit diesen schönen Träumen in stillen Stunden begnügten! — aber sie wollen diesen Wolkengott heiraten, täglich mit ihm zusammen sein, die Alltagssorgen und Kleinlichkeiten, die das Leben mit sich bringt, mit ihm teilen.
Das sieht so anders aus, als das Erträumte. Nachher werden sie mürrisch, unzufrieden und kommt erst dies, dann ist es des immer Schlimmeren kein Ende.
Meine liebe Mutter hatte mich aber irdisch erzogen, sie gab mir Sinn, das Leben zu nehmen wie es ist und schön zu finden, was einmal so sein muß. Ich habe mir keine Idealmänner erdichtet, sondern Charaktere herauszufinden gewußt. Und glaube mir, der beste von allen war mein Gatte,“ sagte sie warm.
Else dachte nach.
Die Tante nahm aber die Nichte beim Kopf und sah ihr in die träumerischen Augen: „so mußt du es auch machen, Else! Dann wirst du einst glücklich werden und selbst beglücken.“