„Nun, so belehren Sie die Leute, wenn Sie es besser wissen,“ sagte die Malerin mit leichtem Spott.
„Das will ich auch einst, bis ich mehr weiß,“ sagte Hella mit träumender Heftigkeit. „Aber wo soll ich anfangen? Selbst innerhalb der paar armseligen Worte, die die Menschen für Farben haben, haben sie nicht Gefühl genug zu unterscheiden, daß eine Farbe in glänzendem Stoff zu einer anderen paßt, während dieselbe, matt zur anderen gebracht, disharmoniert.“
Die Malerin, die mehr auf Sehen, als auf das Reden über das Sichtbare eingerichtet war, fand sich verletzt und gelangweilt.
So schieden sie, eben als Hella noch etwas von ihren Beobachtungen verraten wollte.
Die Malerin dachte: „Ein bißchen verrückt ist sie doch.“
Hella aber träumte: „Was für Herrlichkeiten hat die Erde — wir aber gehen wie knurrende Blinde ewig unzufrieden an allem Schönen vorbei.“
Was Mädchen nicht wissen sollen.
Oben, fünf Stock hoch, wohnte die arme, junge Frau in der Mansarde. Sie war ganz unförmig und hatte ein hageres, eingefallenes Gesicht. Da ihre Beine geschwollen waren, konnte sie die vielen Stockwerke nicht mehr hinabsteigen, um in Arbeit zu gehen.