Die Alte deutete hinein, ohne sie anzusehen. Im Zimmer lag in einem schmalen Holzsarg die junge Frau. Kein Kranz, kein Schmuck. Arme Leute zieren Tote nicht. Armer Leute Geld reicht nur zum Hungerstillen.
Helene fing zu weinen an. Die Alte sah fast verächtlich zu ihr hinüber. Ihre Weichheit schien ihr Schwäche.
„’s ist gut so, sie hat sich’s zu sehr zu Herzen genommen. Die Schande hat sie umgebracht.“
„Aber wenn alle gut und verzeihend mit ihr gewesen wären, hätte sie da gelebt?“
„Wahrscheinlich.“
„Und das Kind hätte jemand gehabt, der es geschützt und gepflegt hätte! Nun wird es wieder schutzlos sein, wie die arme Tote und alles wird wieder so häßlich werden, weil niemand gut ist.“
Die Alte sah wieder so sonderbar zu ihr.
Dann ging sie ins andere Zimmer und machte Milch warm für das erwachte Kind, und mit vieler Zartheit kam sie seiner kleinen Hilflosigkeit entgegen.