Da sagte eine: „Else, bitte erzähl uns ein Märchen. Aber wieder eins, das du fandest.“
„Ich erzähle nur die, welche mir selbst einfallen,“ erwiderte diese.
Darauf steckte sie die Spitze des Zeigefingers ein klein wenig in den Mund, machte ein schrecklich nachdenkliches Gesicht und fing an:
Es war einmal ein junger König. Er hatte Augen aus Bernstein. Und drüber lagen goldene Wimpern. Die funkelten wie Blitze.
Er trug goldene Kleider und goldene Schuhe, denn darauf sieht man den Staub nicht so sehr. Und seine Diener fanden auch, daß er so am besten angezogen sei.
Zu ihm kamen die Leute des Landes und brachten ihm ihre Verehrung dar. Der eine sagte: „Du bist herrlich!“ Der andere: „Du bist umsichtig und weise!“ Der dritte: „Du kannst alles. Du bist der Größte und Beste.“
Und der König nickte allen freundlich zu, sah auf sein Kleid und dachte: gut, daß ich meinen goldenen Anzug habe.
Einstmals kam aber ein junges Weib zu ihm, die ehrlich und aufrichtig an seine Weisheit und Größe geglaubt hatte. Und sie meinte, sie müsse ihm das wie ein braves Kind seinem Vater sagen.
Als sie aber vor ihm stand und sah, wie jung und schön er war, wurde sie ganz verlegen und wußte nicht, was sie sprach.