Da wurden die Mädchen böse und erklärten, es sei eine dumme, häßliche Geschichte und sie wollten nichts weiter davon hören. Damit drehten sie der kleinen, blassen Desiree verächtlich den Rücken und gingen auseinander.

Schulfreundinnen.

Sie sind einst zusammen im Lehrerinnenseminar gewesen. Wieviel Jahre seither schon verflossen waren! Nun sahen sie mit ihren ergrauenden Haaren zurück in die Vergangenheit, die schon weit, o wie weit lag, — und wunderten sich, wie schnell sie gegen das Land des Todes fuhren. Ist das ein Eilzug durch Gefahren und Geschehnisse! Kaum, daß sie sichs versahen, war alles schon wieder vorüber.

Und nun blickten sie unwillkürlich zurück. Da saßen sie, durch einen äußerlichen Zufall zusammengeführt bei einander, erinnerten sich der in der Jugend gemeinsam verlebten Jahre, gestanden sich die fern von einander entstandenen Geschehnisse der vielen Jahre.

Wie es so geht, hatten sie als Mädchen sich fest versprochen, Freundinnen durchs Leben zu bleiben. Aber das Leben ist mächtiger als Versprechungen aus Kindermund. Der Zufall riß sie auseinander. Nun waren sie überzeugt, daß sie sich nie wieder begegnen würden und daß das Ganze nur thörichte Jugendträume blieben. Wieder vergingen Jahre, da hatte eine die andere vergessen.

Doch das Leben führte sie plötzlich zu einander. Und nun fühlten sie sich wieder so vereint und fast verpflichtet, sich gegenseitig zu berichten, was das Leben ihnen Schlimmes oder Gutes gebracht.