Mit Scheu und Wehmut sahen sie einander an. Da ein blonder Kopf, der einst voll ährengoldner Haare glänzte — nun waren sie schütter und verblaßt.
Hat zuviel Sonne darauf geschienen? dachte die Dichterin.
Dort ein Kopf: Augen wie schwarze Kirschen, Jasmin die Wangen — alles Duft und Glut einst! Jetzt war die Haut lehmfarben und über das Haar lag es wie Spinneweben auf altem Gemäuer.
Und dann jene.
Die schöne Gestalt, die sie damals hatte. Ja, wie wurde die einst beneidet! Sie war die erste, die einen Busen hatte und Hüften. Ach! Wie sah sie reizend und rund im Schwimmkleid aus! Wie ein Püppchen. Sie-Selbst hatte damals eine rechte Herzensfreude an sich! Nun war sie ganz aufgedunsen und von ungesunder Blässe, die einst schönen Augen verschwanden im Fett.
Jene wieder war hager. Fast hätte man es von ferne für Jugend nehmen können. Aber es ist die spitzige Eckigkeit stark gewordener Knochen.
Wie sie sich so ansahen und sich vergebens bemühten, die geliebten Züge der Jugend unter dieser schlimmen Veränderung wiederzuerkennen, fiel sinnender Ernst in ihr Gemüt.
Als wären sie von derselben Gedankenkette umschlungen, fühlten sie: ist mit unseren Träumen, Wünschen, Hoffnungen nicht dies gleiche Anderswerden vor sich gegangen, wie mit unserer äußeren Gestalt? Haben wir erreicht, was einst unsere Jugend hoffend sich als Ziel gesetzt?
Da schwiegen sie beschämt auf ihre eigene, stumme Frage.
Sie wurden sich klar, daß alles, alles anders gekommen war, als sie gewollt, gedacht, geträumt hatten. Wie durch die heransausende Lokomotive die dürren Blätter auf den Schienen durch den Luftzug fortfliegen, so hatte sie das Schicksal hinausgeweht und sie glaubten, sie wären selbst geflogen.