Nun wußten sie es und mußten fast über sich lächeln. Dann erzählten sie einander von ihren Geschehnissen.

Da war eine unter ihnen, zärtlich, scheu, voll liebender Hingebung. Ueber alles, wie die Schale um süßen Kern, ein herber Trotz. Ach! ach! was wird das für ein Glück für den, der einst den Kern bekommt! hatten damals die Mädchen gesagt. Die verheiratet sich bald, prophezeiten sie.

Aber es kam anders. Sie schlug einen nach dem andern aus. (Wer hätte sich dies von ihr gedacht!) Und spät, wie der, welcher lange suchend am Markte umhergeht, ohne zu finden, was ihm eigentlich behagt und dann etwas halbwegs Konvenierendes nimmt, um nur nicht ganz leer nach Hause zu kommen, spät erst wählte sie einen Gatten.

Ihre Befürchtungen hatten sich nicht getäuscht. Es wurde so schlimm, daß sie sich gezwungen sah, wieder in ihre Einsamkeit zurückzukehren. Das Leben war aber drüber halb vergangen und dem Herbste blüht kein neuer Mai.

Du Arme, Süße, sagten die Freundinnen. Du weinst um ein verpfuschtes Leben!

Ei nein! sagte sie. Zwar schön war es nicht, doch weiß ich nicht, was ihr habt. Warum soll ich nur an mich denken? Ist denn mein kleines Einzeldasein schon wert eines so großen Gejammers! Ein Mensch allein, was ist das? Nichts. Alle, alle, die Menschheit! Erst die hat ein Schicksal, ein Leben, einen Weg, eine Zukunft.

Die kleine Zwischenkette des Leides, die ich im Dasein repräsentiere...! (Sie machte eine verächtliche Handbewegung, als wäre das gar nicht der Betrachtung wert.)

Und mein Dasein ist gar nicht so umsonst, als ihr meint. In dem Verfehlten meines Lebens habe ich soviel erlernt, beobachtet, was ich andern warnend geben kann, damit ihr Weg einst lichter wird. So ist die ganze Jugend, alles Blühende, Hoffnungskünftige der Menschheit meine Familie.